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FMA äußert sich zu COVID-19 Maßnahmen

FMA äußert sich zu COVID-19 Maßnahmen

FMA-Information an die Kreditwirtschaft

Die FMA stellt in ihrem Schreiben an die Kreditwirtschaft vom 8. April 2020 mögliche Fragen zu COFAG-Überbrückungskrediten, dem Moratorium für Verbraucher und Kleinstunternehmer gemäß 2. COVID-19 JuBG sowie zur Handhabung der Prognoseunsicherheit bei der ECL-Ermittlung klar.

COFAG Überbrückungskrediten

Im Zusammenhang mit neuen Überbrückungs-krediten, für die seitens der COFAG Garantien abgegeben werden, tätigt die FMA folgende Aussagen:

  • Aufgrund der Voraussetzungen für die Überbrückungskredite sind die neuen Kredite grundsätzlich in Stage 1 einzustufen.
  • Die Staatsgarantie ist Vertragsbestandteil und daher bei der ECL-Ermittlung zu berücksichtigen.
  • Die Überbrückungsfinanzierung ist für sich genommen kein Auslöser für einen Transfer der bestehenden Finanzierungen in Stage 2. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine anderen Trigger vorliegen können. Relevant für die Beurteilung ist der signifikante Anstieg des Kreditrisikos über die Restlaufzeit des Instruments.

Moratorien gemäß 2. COVID-19-JuBG

Im Zusammenhang mit dem Moratorium für Verbrauchen und Kleinstunternehmer gemäß 2. COVID-19-JuBG hält die FMA folgendes fest:

  • Das Gesetz bringt eine Stundung, sodass keine Überfälligkeit eintritt. Das schließt jedoch nicht aus, dass andere Gründe für einen Vertragsbruch vorliegen können, die einen Stage 2 Trigger oder Default Trigger darstellen.
  • Die Stundung entsprechend der Bestimmungen des § 2 Abs. 1 des 2. COVID-19-JuBG ist für sich genommen nicht als Zugeständnis des Kreditgebers gegenüber dem Kreditnehmer und somit nicht als Indikators für eine beeinträchtigte Bonität des Kreditnehmers zu werten. Wiederum bedeutet das aber nicht, dass nicht andere SICR-Gründe vorliegen können.

Kollektiver Stufentransfer

  • Nach Einschätzung der FMA ist der Kreis der vom Moratorium potenziell umfassten Kreditnehmer aufgrund der gesetzlichen Voraussetzungen i.d.R. nicht hinreichend homogen, sodass eine Beurteilung des SICR auf Ebene der Gruppe aller vom Moratorium umfassten Kreditnehmer unter Anwendung des „Bottom-Up-Ansatzes“ nach IFRS 9.IE38 i.d.R. nicht erforderlich ist. Eventuell sind Finanzinstrumente jedoch in kleinere, vergleichbarere Portfolien zusammenzufassen.
  • Kreditinstitute sollten prüfen, ob Änderungen bei der Gruppierung von Finanzinstrumenten anhand gemeinsamer Ausfallrisikoeigenschaften erforderlich sind. Es soll vermieden werden, dass die tatsächlichen Risiken überzeichnet werden, zumal nicht zwingend alle Kreditnehmer von den Auswirkungen der COVID-19-Krise gleichermaßen betroffen sind. 
  • Wenn eine solche Zusammenfassung nicht sinnvoll möglich ist, verweist die FMA auf die Anforderung der EZB, nach der in diesem Fall auf einen „top-down“-Ansatz umgeschwenkt werden soll, das bedeuete, es sollen nur jene Instrumente in Stage 2 transferiert werden, für die sich das Ausfallsrisiko seit dem erstmaligen Ansatz tatsächlich erhöht hat.

Prognose-Unsicherheit

  • Die FMA teilt Ansicht der EZB, dass aufgrund der aktuellen Umstände angemessene und belastbare Informationen zu zukünftigen wirtschaftlichen Bedingungen nur eingeschränkt verfügbar sind.
  • Angesichts der mit zunehmendem Prognosezeitraum stark steigenden Prognoseunsicherheit sollten Institute nach einem Prognosezeitraum von längstens drei Jahren auf langfristige Durchschnittswerte für das Konjunkturwachstum zurückgreifen. In der gegebenen Situation kann es in vielen Fällen sachgerecht sein, bereits zu einem früheren Zeitpunkt als unter normalen Umständen auf den langfristigen Durchschnittswert überzugehen.
  • Bestehende ECL-Modelle sind uU in Form eines „Post Model Adjustments“ der aktuellen Situation anzupassen

Conclusio

Das FMA Schreiben enthält insofern keine Überraschungen, als die vertretenen Positionen grundsätzlich bereits von den diesbezüglichen Äußerungen von IASB und ESMA bekannt sind und sich mit diesen decken. Der Nutzen der Äußerungen der FMA liegt darin, dass diese allgemeinen Aussagen nunmehr in den Kontext der österreichischen COVID-19-Maßnahmen gestellt werden und hier mit klaren Aussagen zur einheitlichen Umsetzung in der österreichischen Kreditwirtschaft beiträgt.

Das aktuelle Schreiben enthält jedoch keine Aussagen zur, ob die Stundungen im Rahmen des 2. COVID-19-JuBG als Forbearance einzustufen sind. Es behandelt lediglich Fragen der Rechnungslegung. Zu aufsichtsrechtlichen Fragen werden im aktuellen Schreiben keine Auslegungshilfen gegeben.

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