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EZB veröffentlicht weitere Informationen zu Covid-19-Maßnahmen

Covid-19-Maßnahmen

Zusätzlich zu den bereits kommunizierten Maßnahmen in Bezug auf die Nutzung von Kapital- und Liquiditätspuffern kündigt die Europäische Zentralbank Flexibilität bei der Behandlung von notleidenden Krediten an. Dabei geht es unter anderem um die Berücksichtigung von öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen sowie die Vermeidung starker prozyklischer Effekte bei der IFRS 9-Anwendung.

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Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie kündigte die Europäische Zentralbank für die von ihr direkt beaufsichtigten Institute weitere Flexibilität vor allem in Bezug auf die Behandlung notleidender Kredite (NPLs) an. Es wird allerdings gleichzeitig betont, dass es in der jetzigen Situation von großer Bedeutung ist, die Verschlechterung der Asset-Qualität im Einklang mit den bestehenden Regeln zu ermitteln. FMA und OeNB haben bereits ihre Unterstützung für die kommunizierten Maßnahmen signalisiert.

Bei der Beurteilung von finanziellen Schwierigkeiten, der Anwendung von Forbearance-Maßnahmen sowie der Einstufung von Risikopositionen als ‚unlikely to pay‘, was gleichbedeutend mit einem Ausfall gemäß Art 178 (1) a CRR ist, sollen Institute vorübergehend von öffentlichen Garantien und gesetzlich vorgeschriebenen Zahlungsmoratorien im Zusammenhang mit dem Coronavirus in vollem Umfang profitieren. Die genaue Ausgestaltung der angekündigten Erleichterung bleibt abzuwarten.

Als notleidend eingestufte Kredite, für die entsprechende staatliche Garantien vorliegen, werden dabei auch hinsichtlich ihren aufsichtsrechtlich zu bildenden Mindest-Risikovorsorgen bevorzugt behandelt: In Anlehnung an die Behandlung von NPLs, für die eine öffentliche Exportversicherungsagentur (ECA) bürgt, bestehen für diese Kredite bis zur Zeitspanne von 7 Jahren keine Erwartungen an die Risikodeckung. Die EZB ruft die Europäischen Gesetzgeber dazu auf, eine analoge Regelung zu Artikel 47a (4) CRR zu definieren, bei der im Rahmen von Covid-19-Maßnahmen öffentlich garantierte Risikopositionen sieben Jahre keiner Deckung unterliegen müssen.

Hinsichtlich einer drohenden übermäßigen Volatilität bei Rückstellungen für Kreditverluste empfiehlt die EZB außerdem, prozyklische Annahmen in den makroökonomischen Prognosen der Berechnungsmodelle so gut es geht zu vermeiden. Dazu sollen bei der Schätzung der langfristig erwarteten Kreditverluste für die Zwecke der Rückstellungen im Rahmen der internationalen Rechnungslegungsstandards einer langfristig stabilen Perspektive größeres Gewicht beigemessen werden. Die angekündigten staatlichen Unterstützungsmaßnahmen sollen dabei berücksichtigt werden. Zusätzlich empfiehlt die EZB den direkt beaufsichtigten Instituten, die IFRS 9 Übergangsbestimmungen gemäß Artikel 473a CRR anzuwenden.

Abschließend kündigt die EZB auch noch an, aufgrund der Marktentwicklungen auf individueller Basis volle Flexibilität hinsichtlich der Umsetzung vereinbarter Strategien zur Reduzierung von NPLs anzuwenden. Die Zentralbank ist sich bewusst, dass bereits festgelegte Reduktionsziele derzeit schwer einzuhalten sein werden.

Bereits am 12. März hat die EZB Kapital- und Liquiditätserleichterungen verlautbart, wobei es sich dabei in erster Linie um die Nutzung vorhandener Puffer handelt. Die Möglichkeit zur Nutzung der Säule-2-Empfehlung (P2G) und vorgezogene Erleichterungen bei der Zusammensetzung der SREP-Anforderung (P2R) soll eine CET1-Kapitalentlastung von 120 Milliarden Euro ergeben. Darüber hinaus wurden sowohl von EZB als auch auf nationaler Basis von OeNB und FMA eine Reihe von operativen Maßnahmen in Bezug auf ihre Aufsichtstätigkeit an die Kreditinstitute kommuniziert, wie zum Beispiel Fristverlängerungen, vorübergehend kein Start neuer Vor-Ort-Prüfungen sowie die Möglichkeit von Telefonzuschaltungen in Aufsichtsratssitzungen.

Unser Financial Services Advisory Team berät Banken und Finanzdienstleister bei der Umsetzung von aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Haben Sie Fragen zu diesem Thema oder Interesse an unserer Unterstützung? Dann kontaktieren Sie gerne Bernhard GruberPhilip Kudrna oder Thomas Gaber.

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