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EBA und ESMA äußern sich zu COVID-19 Maßnahmen

EBA und ESMA: COVID-19-Maßnahmen

Die ESMA hat in ihrem Public Statement vom 25. März 2020 einige sehr hilfreiche Klarstellungen zur bilanziellen Behandlung von verschiedenen staatlichen Hilfsmaßnahmen und anderen Fragen in Bezug auf COVID-19 getroffen. Die Aussagen sind auch mit der EBA abgestimmt.

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Überblick

Die ESMA gesteht zu, dass für viele von verschiedenen Regierungen als Antwort auf die aktuelle COVID-19 Krise getroffene Maßnahmen (wie zB staatlich angeordnete Moratorien) in IFRS 9 keine konkreten Regelungen existieren. Allerdings geht die ESMA davon aus, dass die aktuelle, prinzipienbasierte Guidance in IFRS 9 für eine korrekte bilanzielle Abbildung ausreicht. Dennoch hat die ESMA zusätzlich folgende hilfreiche Klarstellungen getroffen:

Stundungen und (staatliche) Moratorien sind Modifikationen

Sofern einzelnen Kreditnehmern Stundungen gewährt werden (sei es durch staatliche Anordnung oder freiwillige Zugeständnisse der Banken), handelt es sich dabei um vertragliche Modifikationen. Entsprechend führen spätere Zahlungen der Kreditnehmer auf Basis dieser Vereinbarungen nicht zu Überfälligkeiten (days past due). Ob eine Modifikation so substanziell ist, dass sie zur Ausbuchung des ursprünglichen Vertrages führt, sollte sich anhand der allgemeinen Regeln von IFRS 9 feststellen lassen. Auf nicht substanzielle Modifikationen sind die allgemeinen Regeln des IFRS 9 anzuwenden.

Significant Increase in Credit Risk (SICR)

Individuell mit einzelnen Kreditnehmern vereinbarte Unterstützungsmaßnahmen dürften in aller Regel ein Forbearance-Indikator bzw auch ein Indikator für SICR sein. Staatlich verordnete Maßnahmen, die zum Ziel haben, systemweite Risiken zu adressieren, lassen demgegenüber jedoch keine Rückschlüsse darauf zu, ob sich das Kreditrisiko spezifischer Kunden verschlechtert hat. Es kann in diesen Fällen aber erforderlich sein, die Auswirkungen auf das Stageing auf kollektiver Basis zu ermitteln.

Staatliche Garantien

Zu beachten ist zudem, dass bei der SICR Beurteilung vorhandene Sicherheiten keine Rolle spielen. Aber auch bei der Ermittlung des ECL kommt es im Zusammenhang mit staatlichen Garantien auf deren konkrete legistische Umsetzung an: Nur wenn solche Garantien einen integralen Bestandteil des Kreditvertrages darstellen, dürfen sie bei der ECL-Ermittlung (idR über den LGD) berücksichtigt werden. Allgemeine Erstattungsansprüche sind demgegenüber gemäß IAS 37 separat zu bilanzieren – allerdings auch nur dann, wenn sie „virtually certain“ sind. Insofern ist genau zu analysieren, in welcher Form allfällige politisch vorerst nur angekündigte Maßnahmen legistisch letztendlich tatsächlich umgesetzt werden.

Expected-Credit Loss (ECL) Bemessung und zukunftsgerichtete Informationen (FLI)

In Bezug auf die IFRS 9-Anforderung, bei der Ermittlung des ECL bestmögliche Informationen zu verwenden, gesteht die ESMA den Bilanzierenden zu, dass eben diese Anforderung in der aktuellen Phase der Krise schwer zu erfüllen sein wird, zumal naturgemäß hohe Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung herrscht. Die ESMA geht daher davon aus, dass Annahmen darüber getroffen werden müssen, ob die Krise als nur temporär oder längerfristig eingeschätzt wird und wie die zahlreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen die zukünftige Entwicklung beeinflussen. Verfügbare Informationen sollen dabei jedoch in diese Annahmen einfließen.

Transparenz als Gebot der Stunde

Die ESMA weist abschließend darauf hin, dass gerade in Krisen-Zeiten maximale Transparenz das Gebot der Stunde ist. Bilanzierende sollen daher ihre Annahmen und Einschätzungen sowie ihre Bilanzierungsmethoden in einer Form offenlegen, die es den Bilanzlesern ermöglicht nachzuvollziehen, auf welche Art und Weise die Effekte der COVID-19-Krise und allfällige Maßnahmen von staatlicher Seite in die Ermittlung des SICR, ECL und der FLI eingeflossen sind.

Aufsichtsrechtliche Aspekte

Die EBA unterstützt die von der ESMA getroffenen bilanziellen Aussagen. Hinsichtlich aufsichtsrechtlicher Aspekte weist die EBA zusätzlich darauf hin, dass gemäß der EBA-Guideline über die Definition of Default Modifikationen nur dann zu einer Default-Einstufung (Ausfall) führen, wenn dabei materielle Anteile des (on-balance) Exposures einen Barwertverlust von mehr als 1% erleiden. Sofern Raten gestundet werden, aber die Verzinsung weiterläuft, ist das jedoch nicht zu erwarten. Individuell mit Kunden vereinbarte Hilfsmaßnahmen seitens der Banken dürften in aller Regel zwar den Forbearance-Tatbestand, aber wohl kaum den Tatbestand von „distressed restructuring“ (und somit eines defaults) erfüllen. Ein Ausfall aufgrund 90 days past due sollte auch ausscheiden, weil durch die Modifikation ja ein neuer Rückzahlungsplan gilt, an dem der Kunde zu messen ist.

Abschließend weist die ESMA noch darauf hin, dass Banken zusätzlich die Erleichterungsbestimmung des Art 473a CRR offen steht, aufgrund derer der IFRS-9-Erstanwendungseffekt über mehrere Jahre auf Antrag verteilt werden kann.

Conclusio

Sowohl die ESMA als auch die EBA haben somit letztlich nur ohnedies bereits bekannte Regelungen vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse ausgelegt. Die Hoffnung mancher auf darüber hinaus gehende, einschneidende Erleichterungen ist dadurch nicht erfüllt.
Den Link zu den Public Statements der ESMA und der EBA finden Sie hier:

ESMA Public Statement vom 25. März 2020

EBA Stellungnahme vom 25. März 2020

 

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