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Erfüllen die Prüfungsausschüsse ihre gesetzlichen Aufgaben?

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Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer APAB-Umfrage

Helmut Kerschbaumer

Partner, Audit

KPMG Austria

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Erfüllen die Prüfungsausschüsse ihre gesetzlichen Aufgaben?

Im Oktober 2018 versandte die Abschlussprüferaufsichtsbehörde (APAB) an 206 Unternehmen von öffentlichem Interesse in Österreich einen Fragebogen mit der Bitte, diesen von den jeweiligen Prüfungsausschüssen zu beantworten. Ziel der Befragung war einerseits zu erheben, wie Prüfungsausschüsse ihre Aufgaben wahrnehmen, und andererseits die Prüfungsausschüsse für ihre vielfältigen gesetzlichen Aufgaben und Verpflichtungen zu sensibilisieren. Im Juli 2019 veröffentlichte die APAB die Ergebnisse der Umfrage.

 

Rücklaufquote und Grundgesamtheit

Die APAB erhielt 108 ausgefüllte Fragebögen zurück, was einer Rücklaufquote von 52 Prozent entspricht. Etwas weniger als die Hälfte (44 Prozent) davon waren anonym gehalten, während 56 Prozent der Prüfungsausschüsse ihre Identität freiwillig bekannt gaben. Von den Rückmeldungen betrafen 45 Prozent Kreditinstitute und 18 Prozent Versicherungen. Die Rücklaufquoten von Kreditinstituten (51 Prozent) und Versicherungen (49 Prozent) entsprachen damit im Wesentlichen der Rücklaufquote insgesamt. Rund die Hälfte (47 Prozent) der antwortenden Unternehmen beschäftigt mehr als 500 und rund elf Prozent der Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter. Der Mittelwert der Mitgliederanzahl in den antwortenden Prüfungsausschüssen liegt bei fünf Mitgliedern. Dies allerdings bei einer erheblichen Bandbreite zwischen zwei und neun (in einem Ausnahmefall 18) Mitgliedern.

 

Einrichtung und Zusammensetzung des Prüfungsausschusses

Von den befragten Unternehmen gaben 80 Prozent an, einen Prüfungsausschuss eingerichtet zu haben, während 20 Prozent der Rückmeldenden hingewiesen haben, dass der Aufsichtsrat als Ganzes die Aufgaben des Prüfungsausschusses erfüllt. Alle antwortenden Prüfungsausschüsse meldeten, dass dem Prüfungsausschuss zumindest ein Finanzexperte angehört. Insgesamt gaben 74 Prozent an, dass eine Mehrheit der Mitglieder des Prüfungsausschusses vom geprüften Unternehmen unabhängig sei. Verneint wurde die Frage nach der Unabhängigkeit von 21 Prozent. 43 Prozent der Prüfungsausschüsse berichten dem Aufsichtsrat zweimal jährlich über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Rund ein Drittel (34 Prozent) der Prüfungsausschüsse berichtete an den Aufsichtsrat mindestens viermal
pro Jahr.

 

Überwachung der Abschlussprüfung

Die Aufgabe zur Überwachung der Prüfungsausschüsse führen nahezu alle befragten Unternehmen aus
(91 Prozent „Ja“ und drei Prozent „Ja, teilweise“). 56 Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Prüfungsausschuss während des Referenzzeitraums zweimal mit dem Abschlussprüfer getroffen hat, 13 Prozent trafen den Abschlussprüfer dreimal und immerhin 21 Prozent viermal oder öfter. Bei zehn Prozent der antwortenden Unternehmen gab es nur ein Treffen. Nahezu alle Prüfungsausschüsse überwachen die Höhe der Honorare für Nichtprüfungsleistungen (95 Prozent „Ja“, drei Prozent „Ja, teilweise“), um die Einhaltung der selbst gesetzten beziehungsweise der künftigen 70-Prozent-Grenze der Nichtprüfungsleistungen im Verhältnis zum Prüfungshonorar sicherzustellen.

Die APAB schließt aus den Antworten zu den Nichtprüfungsleistungen, dass deren Bedeutung für Abschlussprüfer von Unternehmen öffentlichen Interesses recht hoch ist. Ein großer Teil der Prüfungsausschüsse hält es für wichtig (38 Prozent) oder unabdingbar (acht Prozent), dass der Abschlussprüfer auch erlaubte Nichtprüfungsleistungen anbietet beziehungsweise anbieten kann. 40 Prozent der Prüfungsausschüsse stehen dieser Frage neutral gegenüber. Angebote des Abschlussprüfers für Nichtprüfungsleistungen werden in 85 Prozent der Fälle vom Prüfungsausschuss beurteilt oder es liegt ein entsprechender Vorratsbeschluss des Abschlussprüfers vor, mit denen bestimmte Leistungen pauschal oder bis zu einer bestimmten Höhe im Voraus genehmigt worden sind. Die APAB verweist dabei darauf, dass es aus ihrer Sicht nicht zulässig sein kann, alle nicht gesetzlich verbotenen Nichtprüfungsleistungen pauschal und unbegrenzt vorab zu genehmigen. Nur einer der befragten Prüfungsausschüsse gab an, dass es im Referenzzeitraum zu einer Verweigerung der Genehmigung angebotener Nichtprüfungsleistungen gekommen ist.

Zur Beurteilung der Qualität des Abschlussprüfers verwenden Prüfungsausschüsse vor allem folgende Informationen: Referenzen in der Branche und Informationen über Branchenexpertise (19 Prozent), der regelmäßige Austausch mit dem Abschlussprüfer (14 Prozent), persönliche Erfahrung (acht Prozent), Prüfungskonzept und Ablauforganisation (sieben Prozent), Erreichbarkeit und Reaktionszeit des Abschlussprüfers beziehungsweise des Teams (sieben Prozent) und Informationen über das Team (sechs Prozent), Bereitschaft zur informellen Kontaktpflege beziehungsweise Vertrauensbasis (sechs Prozent), Transparenzbericht des Abschlussprüfers (fünf Prozent) sowie Ergebnisse von ­Prüfungen durch die OePR oder Inspektionen der APAB
(fünf Prozent).

 

Verfahren zur Auswahl des Abschlussprüfers

Der Fragebogen enthielt auch mehrere Fragen zur Auswahl des Abschlussprüfers. Von den 108 antwortenden Prüfungsausschüssen gaben 19 (18 Prozent) an, dass sie im Referenzzeitraum entweder einen neuen Abschlussprüfer bestellt oder den vorherigen Abschlussprüfer nach Durchführung eines Ausschreibungsverfahrens wiederbestellt haben. Von diesen 19 Prüfungsausschüssen haben die meisten (84 Prozent) vermerkt, dass sie Verantwortung in Bezug auf das Auswahlverfahren der Abschlussprüfer übernommen haben.

Die APAB stellt in diesem Zusammenhang fest, dass in den letzten drei Jahren die Gesamthonorare für Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse gesunken sind. Dies ist laut APAB zum Teil auf die Verringerung der Anzahl der Unternehmen von öffentlichem Interesse, aber auch auf die hohe Gewichtung des Preises bei einer ­Ausschreibung zurückzuführen. Die Antworten auf die einschlägigen Fragen lassen auch darauf schließen, dass der Preis für viele Prüfungsausschüsse bei der Auswahl des Abschlussprüfers eine wichtige Rolle spielt. 31 Prozent der Antwortenden haben den Preis mit über 50 Prozent gewichtet und 24 Prozent mit 41 bis 50 Prozent. Nur 31 Prozent der Antwortenden gaben dem Preis ein Gewicht von 30 Prozent oder weniger. Die APAB schließt nicht aus, dass das Honorar in Einzelfällen nicht den Ansprüchen des § 270 Abs. 1 UGB genügt, wonach dieses in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und dem Umfang der Abschlussprüfung zu stehen hat.

 

Größte Herausforderung für die Prüfungsausschüsse

Die größte Herausforderung für die Prüfungsausschüsse (28 Prozent aller genannten Herausforderungen) bildet nach den erhaltenen Rückmeldungen die häufige Änderung von Gesetzen und Regeln und deren zunehmende Komplexität, allen voran die steigende Komplexität der IFRS. Darüber stellt die laufende Überwachung der Rechnungslegung und des internen Kontrollsystems die Prüfungsausschüsse vor Herausforderungen (zwölf Prozent). Weitere Herausforderungen ergeben sich aus der Abgrenzung der Aufgaben von Aufsichtsrat und Prüfungsausschuss (neun Prozent), der Überwachung der Nichtprüfungsleistungen (neun Prozent) und dem Prüferauswahlverfahren.

 

Fazit

Insgesamt schlussfolgert die APAB, dass sowohl die Prüfungsausschüsse als auch die Abschlussprüfer die relevanten gesetzlichen Bestimmungen überwiegend einhalten. Manche Antworten weisen gemäß den Schlussfolgerungen der APAB jedoch darauf hin, dass in einzelnen Punkten noch Verbesserungsbedarf besteht oder die einschlägigen gesetzlichen Regelungen nicht zutreffend interpretiert werden (beziehungsweise fehlerhafte Angaben in den Fragebögen vorliegen). Die Rückmeldungen zeigten auch den hohen Stellenwert, den die Prüfungsausschüsse in der Möglichkeit der Erbringung von Nichtprüfungsleistungen sehen. Sorgen bereiten der APAB die rückläufigen Abschlussprüfungshonorare sowie die pauschale und unbegrenzte Genehmigung von Nichtprüfungsleistungen.

Gesamter APAB Bericht 

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