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Dimensionen Insurance 2019

Stimmungsbild

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Dimensionen Insurance

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Die KPMG Fachzeitschrift für Versicherungsunternehmen beleuchtet aktuelle Themen und Trends aus Audit, Tax und Advisory.

Sind die Solvency II-Berechnungen und -Prozesse bereits Routine oder gibt es für die Versicherungsunternehmen in Österreich noch große Herausforderungen? Konnten neben der bloßen Erfüllung des regulatorischen Erfordernisses auch andere Benefits aus den Anforderungen gezogen werden?

Am 23. April 2019 mussten die Versicherungsunternehmen bereits zum dritten Mal ihren Solvency and Financial Condition Report (SFCR) an die FMA übermitteln und veröffentlichen. KPMG nahm das zum Anlass, eine Umfrage auf dem österreichischen Versicherungsmarkt durchzuführen. Das Ziel: ein Stimmungsbild hinsichtlich der letzten drei Jahre zu erheben. Teilgenommen haben Vertreter von 22 Versicherungsunternehmen aus den Bereichen ­Rechnungswesen, Risikomanagement und Aktuariat. Damit wurde eine Marktabdeckung von 80 Prozent erreicht.

Spürbare Benefits

Ein Schwerpunkt der Befragung lautete: Welche Vorteile bringt die Umsetzung von Solvency II über die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen hinaus? Diesbezüglich herrscht große Einigkeit unter den Befragten: Die Benefits resultieren in erster Linie aus der in Solvency II verankerten Risikosicht, weniger in den zu berechnenden Zahlen. Diese führt zu einer verbesserten Risikokultur und einem verstärkten Bewusstsein für Risiken. Der Grund: Risiken werden in den Fokus gerückt. Insbesondere im Bereich der Kapitalveranlagung werden die Risiken und Auswirkungen auf das Unternehmen stärker wahrgenommen. Auch das generelle Verständnis für zukünftige Entwicklungen ist gestiegen (bspw die Bedeutung einer Niedrigzinsphase). 

Ebenso geschätzt wird die verbesserte Kommunikation: Es findet ein verstärkter und strukturierterer Austausch der Abteilungen und Schlüsselfunktionen untereinander statt. Angestoßen wurde diese Entwicklung aufgrund der Umsetzung der Anforderungen von Solvency II hinsichtlich des Governance-Systems. Bei einem Großteil der befragten Unternehmen wurden diverse Gremien zu Themen wie Governance, Risiko, Reservierung, Rückversicherung, ­Compliance, ALM (Asset Liability Management) oder Produktentwicklung eingesetzt. Auch wurden in einigen Unternehmen Jours Fixes der Schlüsselfunktionen und Arbeitsgruppen zum Thema Solvency II eingerichtet. 

Ein Großteil der befragten Unternehmen (64 Prozent) gibt darüber hinaus an, dass vor allem die Ergebnisse des ORSA (Own Risk and Solvency Assessment) in die Steuerung einfließen. Zwar sind diese unter dem neuen Regime nicht komplett umgestaltet worden, jedoch ist das Risikobewusstsein im Unternehmen gestiegen. 32 Prozent der befragten Unternehmen schätzen die Relevanz der Solvency II-Ergebnisse für die tatsächliche Unternehmenssteuerung hingegen als geringfügig ein. 

Herausforderungen im Visier

Welche sind die Herausforderungen, denen sich die Unternehmen auch nach drei Jahren Solvency II gegenübergestellt sehen? Die zeitliche Komponente wird vom Großteil der Unternehmen (60 Prozent) als größte Herausforderung genannt. Die Abgabe des durchaus umfangreichen SFCRs für den Stichtag 31. Dezember 2019 muss erneut zwei Wochen früher (14 Wochen nach Jahresabschluss) erfolgen. Dafür müssen die bereits straffen Prozesse abermals in kürzerer Zeit durchgeführt werden. Die meisten Unternehmen verfolgen daher das Ziel, die Automatisierung der ­bestehenden ­Prozesse weiter voranzutreiben. Nur so kann der gewünschte Grad an Qualität trotz kürzerer Zeitintervalle sichergestellt werden.

Solvency II ist ein bedeutender Kostenfaktor in Unternehmen, den es durch die genannten Automatisierungen sukzessive zu reduzieren gilt. Störend wirkt hierbei nach Meinung vieler Befragter die schwierige Suche nach qualifiziertem Personal. Es ist daher entscheidend, bestehendes fachliches Know-how weiter auszubauen und im Unternehmen zu halten. 

Eine Herausforderung, mit der sich vor allem Versicherungsgruppen konfrontiert sehen, sind die inhomogenen Herangehensweisen der Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern. Beispielsweise muss der RSR (Regulatory Supervisory Report) in der CEE-Region jährlich gemeldet werden, in Österreich genügt hingegen in zwei von drei Jahren ein Update der wesentlichen Änderungen.

Eine wichtige Erkenntnis der Umfrage: Die Sinnhaftigkeit einer Q4-Meldung zusätzlich zur Jahresmeldung wird von allen Unternehmen hinterfragt. Die zeitliche Nähe der beiden Meldungen wird sowohl in Österreich als auch in Deutschland diskutiert. Grundsätzlich ist der Prozess von Quartalsmeldungen in den meisten Fällen vereinfacht implementiert, der Aufwand folglich deutlich geringer, aber dennoch in vielen Fällen beachtlich (Abbildung 1). Durch die Verpflichtung, beide Meldungen vorzunehmen, entstehe nicht nur ein Mehraufwand im Rahmen der Erstellung, man müsse überdies auch Veränderungen in den Zahlen notfalls erklären, argumentieren die Versicherungsunternehmen. Eine Abschaffung der Q4-Meldung wäre aus Sicht der Unternehmen wünschenswert.

Dimensionen Insurance - Solvency II

Aufwand vs Nutzen

Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der befragten Versicherungsunternehmen ist der Meinung, dass der Aufwand der Maßnahmen größer als der daraus entstehende Nutzen sei. Nur bei gut einem Viertel (27 Prozent) der Befragten überwiegt hingegen vom Gefühl her der Nutzen (Abbildung 2).

Als bedenklich wird von fast allen Unternehmen die Tatsache gesehen, dass der SFCR nicht auf das von EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) erhoffte Interesse der Öffentlichkeit stößt, weshalb das Kosten-/Nutzenverhältnis des SFCR noch einmal hinterfragt werden sollte: Die Untersuchungen der Zugriffe auf den Homepages zeigen nur in den wenigsten Fällen mehr als 100 Downloads pro Jahr. Zumindest an dieser Stelle könnte gelten: Weniger ist manchmal mehr.

Dimensionen Insurance - Solvency II

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