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Dimensionen Insurance - Die Schulbank ruft

Die Schulbank ruft

Die Schulbank ruft

Während die Bestimmungen für die Versicherungsunternehmen relativ klar im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) 2016 verankert sind, bleiben für selbstständige Versicherungsvermittler noch gewisse Unsicherheiten.

Jeder Versicherungsvermittler hat im Rahmen der IDD 15 Stunden Weiterbildung pro Jahr zu absolvieren. Die Konkretisierung der Ausgestaltung der Schulungsinhalte wurde an die Fachverbände übergeben, welche die Weiterbildungen in zwei Module, Fach- und Spartenkompetenz sowie Rechtskompetenz und Berufsrecht, inhaltlich vordefiniert haben (Abbildung 1). Bei der Auswahl der Lerninhalte werden Informationen über Versicherungsprodukte bzw Produkttarife explizit ausgeschlossen, während die Berücksichtigung der in der Praxis tatsächlich wahrgenommenen Aufgaben jedenfalls als Einflussfaktor auf die Auswahl der Schulungseinheiten definiert wurde. Gemäß dieser gesetzlichen Bestimmung sind auch Gewerbetreibende dazu verpflichtet, 7,5 bis 10 Stunden bei unabhängigen Bildungsinstituten zu absolvieren. Sonstige am Versicherungsvertrieb mitwirkende Personen, wie zB Mitarbeiter in Versicherungsagenturen und Maklerbüros, können ihre Weiterbildungsverpflichtungen auch intern oder bei sonstigen Bildungsanbietern absolvieren. Darüber hinaus wird darauf Wert gelegt, dass unterschiedliche Schulungsformate wie Webinare, Präsenzschulungen und e-Learning-Einheiten in Anspruch genommen werden.

Dimensionen Insurance - Lehrplan für Versicherungsvermittler 2019 (Entwurf)

Basiswissen mit Tiefgang

Erste Marktbeobachtungen machen deutlich, dass das Modul 2 „Fach- und Spartenkompetenz“ gut durch das interne Schulungsangebot von Versicherern oder sonstigen bereits bekannten Bildungsanbietern abdeckt wird. Bei Modul 1 „Rechtskompetenz und Berufsrecht“ zeigt sich ein anderes Bild: Hier sind unabhängige Kooperationspartner gefragt, die maßgeschneidert für den Versicherungssektor Weiterbildungen anbieten. Welcher Ansatz sinnvoll ist, um Versicherungsvermittlern Wissen in den ausgewählten Rechtsgebieten zu vermitteln, gilt es im Einzelfall zu definieren. Sinnvoll erscheint es in der Anfangsphase in Form eines Basismoduls alle vordefinierten Rechtsgebiete auf grundlegendem Level abzudecken. Bei weiterführenden Lehreinheiten können ganz zielgerichtet spezifische Schwerpunktthemen gesetzt und entsprechendes Tiefenwissen in diesen Rechtsbereichen geschult werden.

Rechtskompetenz und Berufsrecht im Visier

Gerade im Versicherungssektor sind der Anwendungsbereich und vor allem auch die Anwendungsrelevanz von Regulatorik sehr ausufernd und bieten ein umfangreiches Spektrum an potenziellen Lehrinhalten.

Das Versicherungsvertragsgesetz ist wohl eine der relevantesten Gesetzesgrundlagen für Versicherungsvermittler. Hier trifft vor allem das Kündigungs- und Rücktrittsrecht auf reges Interesse, insbesondere Informationen über die Doppelversicherung, Besitzwechselkündigung und Risiko- oder Interessewegfall und die damit einhergehenden Fristen, die im Fall einer Kündigung einzuhalten sind. Versicherungsvermittler werden über die sogenannte Zurückweisungspflicht unterrichtet ebenso wie über die resultierenden Konsequenzen, die bei einer Versäumnis dieser Pflicht eintreten. Auch die Novellierung des § 5c VersVG ist Bestandteil der Lerninhalte im Versicherungsvertragsrecht, jenem 14-tägigen Rücktrittsrecht, das nun für jeden Versicherungsnehmer, unabhängig ob Verbraucher oder Unternehmer und ohne jeglichen Grund, zutrifft und anwendbar ist.

Aspekte des allgemeinen Privatrechts sind auch aus Sicht der Versicherungsvermittler als Basiswissen zu definieren und somit grundlegender Bestandteil potenzieller Schulungseinheiten im Rahmen der IDD. Am Beispiel der Geschäftsfähigkeit kann sehr schön herausgearbeitet werden, dass es als Versicherungsvermittler unumgänglich ist, die Prinzipien der unterschiedlichen Geschäftsfähigkeitsstufen in Österreich zu kennen. Ab wann kann ein Jugendlicher bereits selbst seine Versicherungsverträge unterzeichnen bzw wo ist eine Unterschrift der Eltern oder sogar die Zustimmung des Pflegschaftsgerichts notwendig?

Neben der Vermittlung von Basiswissen im Unternehmensrecht kann gerade im Versicherungskontext ein Fokus auf das Thema Prokura und Handlungsvollmacht gelegt werden. Auch das Handeln als integrer Versicherungsvermittler sollte besonders herausgestrichen werden, indem auf Compliance-Standards eingegangen und beleuchtet wird, wie aus IDD-Perspektive richtig mit Interessenskonflikten umzugehen ist.  

Im Bereich des Arbeitsrechts, welches Verordnungen, Gesetze und Bestimmungen für unselbstständige Erwerbstätige umfasst, sind Erläuterungen zu gesetzlichen Bestimmungen der Arbeitszeit und Überstunden sowie entsprechende rechtliche Neuerungen in diesem Bereich wie beispielsweise die Vier-Tage-Woche und die damit entstandenen Rechte und Pflichten für Versicherungsvermittler und ihre Angestellten von Bedeutung. Interessant ist weiters das Thema Dienstnehmerhaftung (§ 1313a ABGB „Erfüllungsgehilfenhaftung“), der Ersatz von Schäden, die durch einen Dienstnehmer des Versicherungsvermittlers gegenüber einem unabhängigen Dritten verursacht wurden und die damit verbundene Regressionsmöglichkeit des letzteren an seinem Mitarbeiter. Auch sollen die grundlegenden Prinzipien der Arbeitnehmerähnlichkeit vermittelt und entsprechende Auswirkungen auf potenziell betroffene Versicherungsvermittler beleuchtet werden. 

Wesentliche Inhalte des Sozialversicherungsrechts sind ebenfalls Bestandsteil eines guten IDD-Basismoduls. Arbeitnehmer müssen vom ersten Tag an bei der Sozialversicherung gemäß ASVG angemeldet werden. Ein Nachfrist gibt es nicht mehr und die Sanktionen bei Nicht-Einhaltung der Meldepflicht reichen von Beitragszuschlägen (§ 56 ASVG), Verzugszinsen (§ 59 ASVG) über Verwaltungsstrafen (§ 111 ASVG) bis hin zu strafrechtlicher Verantwortung (§ 153c StGB). Des Weiteren werden die leistungs- und beitragsrechtlichen Unterschiede zwischen ASVG und GSVG erläutert, ebenso wie jene zwischen Pflicht- und Privatversicherung.

Insbesondere sind natürlich auch die Inhalte des Handelsvertreter- bzw Maklerrechts im Fokus, welche die gesetzlichen Grundlagen des jeweiligen Versicherungsvermittlers darstellen. Hier wird auf die Befugnisse, Rechte und Pflichten, Möglichkeiten der Vergütung sowie den Ausgleichsanspruch und Folgeprovision eingegangen.

Im Gewerberecht wird zusätzlichen zu den Key Facts zur gewerblichen Tätigkeit ein besonderes Augenmerk auf die Standes- und Ausübungsregeln für Versicherungsvermittler (§§ 137f GewO) gelegt, welche sich momentan noch im Entwurfsstadium befinden, jedoch die Überleitung der IDD-Bestimmungen für Versicherungsvermittler darstellen. 

Dimensionen Insurance - IDD-Weiterbildung von KPMG in Kooperation mit der WU Wien

Weiterbildung nach Maß

KPMG bietet in diesem Zusammenhang gemeinsam mit der WU Executive Academy (WU) ein sehr umfangreiches Schulungsprogramm an (Abbildung 2). Dieses wurde individuell für den Versicherungssektor erarbeitet und an die Bedürfnisse der jeweiligen Schulungsteilnehmer angepasst. Durch die Unabhängigkeit von KPMG und WU sowie der Qualifizierung der WU Executive Academy als Hochschule nach dem österreichischen Universitätsgesetz, können auch die Zertifizierungserfordernisse nach IDD für Gewerbetreibende nachhaltig und rechtssicher abgebildet werden. KPMG sorgt für die Integration der Schulungen in das bereits existierende Ausbildungsprogramm der Versicherungen.

Autoren

Lorenz Lang

Birgit Wastl

Das KPMG Schulungsprogramm wird an den Anforderungen der IDD ausgerichtet.

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