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Klares Bild

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Versprochen: Ab nächstem Jahr wird Ihr IFRS-Konzernabschluss gelesen

Günther Hirschböck

Partner, Audit

KPMG Austria

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Seit das IASB mit aktuellen Initiativen wie der Disclosure Initiative sowie Better Communication die Bedeutung aussagekräftiger Finanzberichterstattung in den Vordergrund stellt, besteht für Unternehmen die Chance, den IFRS Abschluss von einer bloßen Compliance-Übung zu einem wertvollen Instrument der Unternehmenskommunikation zu entwickeln. Die „Ausrede“, dass kein normaler Mensch IFRS-Abschlüsse versteht, kann damit nicht mehr überzeugen. Stattdessen kann durch Umbau des Abschlusses mit relativ einfachen Mitteln ein klareres Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt werden. Zum gemeinsamen Nutzen von Unternehmen und Abschlussleser.


Zurück zum eigentlichen Sinn des Accounting

Angesichts der immer dichter werdenden Fülle von Angabevorschriften gerät der eigentliche Zweck des IFRS-Konzernabschlusses leicht aus dem Blick. Wenig überraschend liegt dieser Zweck in der Vermittlung entscheidungsrelevanter Information an Investoren. Insoweit treffen sich die Anforderungen des Kapitalmarkts mit den Erwartungen des IASB. Nicht alle von den IFRS vorgesehenen Anhangangaben müssen aber im konkreten Fall entscheidungsrelevant sein. Der Filter, welche Angaben nützlich sind und welche dem Blick fürs Wesentliche im Weg stehen, liegt in einer sinnvollen und für das Unternehmen maßgeschneiderten Anwendung des Grundsatzes der Wesentlichkeit. Er ist im IFRS-Regelwerk ausdrücklich vorgesehen und zielt darauf ab, nur relevante Information bereit zu stellen. Unwesentliche Informationen hingegen sollen ausgeblendet werden, wodurch ein klarer Blick auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entsteht.

Konzentration auf Wesentliches und klare Gliederung

Auf Basis dieser Überlegungen wird zunächst bestimmt, welche Information relevant ist und welche aus Wesentlichkeitsgründen wegfallen kann. Im nächsten Schritt wird die verbleibende Information in eine möglichst klare Form gebracht.

Die IFRS eröffnen im Hinblick auf Struktur und konkrete Ausgestaltung des Anhangs breiten Gestaltungsspielraum, der zur Vermittlung eines klaren Bildes über die Entwicklung des Unternehmens genutzt werden kann. Wenn der Abschluss als Mittel zur sinnvollen Investorenkommunikation verwendet werden soll, ist eine nach den für das Unternehmen relevanten Themen geordnete und übersichtliche Gliederung des Abschlusses der Dreh- und Angelpunkt. Genau das betont das IASB in seiner Discussion Paper Disclosure Initiative-Principles of Disclosure (DP/2017/1; vgl Abb 1).

7 Empfohlene Kriterien

Konkrete Überlegungen zur Verbesserung eines Abschlusses

Auf die Frage, wie nun der Abschluss konkret zu strukturieren bzw zu gestalten ist, gibt es kein Patentrezept. Der ideale Aufbau eines Abschlusses ist stets im Einzelfall zu beurteilen. Nachfolgend sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die – wenngleich nicht allgemeingültig – zu einer Verbesserung in der Verständlichkeit eines Abschlusses führen können.

… zu Aufbau und Strukturierung

Viele Unternehmen gliedern ihren Anhang nach den Bilanz- und GuV-Posten, wodurch sich notgedrungen Wiederholungen und das Erfordernis von Verweisen ergeben. Diese Nachteile können dadurch behoben werden, dass die Gliederung themenbezogen aufgebaut wird (wie bspw ein gesammeltes Kapitel Steuern für alle Steueraspekte; vgl Abb 2 und 3). So kann das Unternehmen den Blick der Öffentlichkeit auf besonders relevante Themenbereiche lenken und die Klarheit der bereitgestellten Information erhöhen.

Vorher - Nachher
Vorher - Nachher

… Gliederung einzelner ­Anhangangaben

Regelmäßig wird der Abschluss in einer traditionellen Form gegliedert, dh mit einem Abschnitt über allgemeine Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und Schätzungen zu Beginn, auf den die Anhangangaben zu den einzelnen Bilanz- und GuV-Posten folgen. Dadurch ergibt sich, dass die für das Verständnis des Zahlenwerks erforderliche Information an unterschiedlichen Stellen im Abschluss verteilt wird, was den Lesefluss stört. Leichter verständlich wird der Abschluss, wenn diese Trennung zwischen „Theorie“ und „Zahlen“ aufgehoben und Zusammenhängendes gemeinsam dargestellt wird. Wie die Beispiele in Abb 4 und 5 zeigen, können so die für das Verständnis der Note relevanten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie Schätzungen und Ermessen mit dem eigentlichen Inhalt der Note kombiniert werden. Der Beipacktext findet sich damit im Kontext der gelieferten Information. Dort wo ihn der Leser braucht.

vorher
nachher

… Verbesserung der Lesbarkeit

Zielführend ist auch, die Lesbarkeit des Abschlusses zu verbessern. Zum einen kann dies gelingen, indem inhaltsleere Standardformulierungen (sog Boilerplate-Formulierungen – sie heißen so, weil sie genauso lau schmecken wie Kaffee von der Warmhalteplatte) durch konkret auf das Unternehmen bezogene Information ersetzt werden. Der Fokus sollte darauf liegen, wie die Regelungen der IFRS konkret im Unternehmen angewendet werden, wie das Management Ermessen ausgeübt hat und welche Schätzungen notwendig waren.

Darüber hinaus kann die Lesbarkeit dadurch erhöht werden, dass der Text durch Verwendung allgemein verständlicher Sprache (weg vom „Experten-Sprech“), dem sinnvollen Einsatz von Absätzen und Überschriften sowie der vereinfachten Darstellung komplexer Informationen durch Aufzählungen und Tabellen für den Leser besser greifbar gemacht wird.

Einen wichtigen Beitrag zur besseren Lesbarkeit eines Abschlusses kann auch dessen grafische Aufbereitung leisten. So findet sich beispielsweise ein Leser in dem Beispiel in Abb 5 rasch zurecht und kann auf einen Blick erfassen, wo innerhalb einer Note der jeweilige Aspekt, der ihn interessiert, zu finden ist. Beispielsweise verbessern in Abb 5 Symbole das Verständnis, wodurch die Überleitung der Zahlen im Anhang auf Bilanz- und Ergebnisrechnung unmittelbar gelingt.
Der eingangs erwähnte Aspekt der Wesentlichkeit kann im Bereich der Anhangangaben, dazu genützt werden, durch das Weglassen unwesentlicher Informationen die Sicht auf die eigentlich wesentlichen Informationen nicht zu verstellen.

Inventories

Das Ende der Verschwendung

Die Bereitstellung überflüssiger Information ebenso wie deren schwerfällige Aufbereitung verschwenden sowohl beim Unternehmen als auch beim Abschlussleser wertvolle Ressourcen. Hochqualifizierte Fachkräfte rollen nutzlose Information Jahr für Jahr vorwärts. Hochqualifizierte Analysten versuchen aus einem Meer an Information die relevante Information zu fischen. Gut aufgebaute Abschlüsse sind kürzer und verbrauchen weniger Zeit bei ihrer Erstellung, im Handling (etwa Gestaltung, Satz, Druck etc) und beim Lesen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da sowohl die Erstellung als auch die Analyse des Abschlusses meist mit engen Deadlines und unter hohem Zeitdruck erfolgt.
Der wichtigste Vorteil einer Weiterentwicklung des Konzernabschlusses Richtung mehr Klarheit liegt aber darin, dass wertvolle Information über Ihr Unternehmen endlich den Stellenwert erlangt, den sie verdient. Weil sie gelesen wird.

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