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Digitalisierung – Automatisierung, (auch) Thema für das Rechnungswesen?

Digitalisierung – Automatisierung

Die Digitalisierung verändert das Rollenbild und das Aufgabenspektrum von Finance, ermöglicht aber auch einen aktiveren Beitrag zum Unternehmenserfolg

Auch Thema für das Rechnungswesen?

Digitalisierung im Rechnungswesen

Das Trendthema Digitalisierung ist in aller Munde. Die damit einhergehenden disruptiven Veränderungen umfassen ganze Wertschöpfungsstufen und Geschäftsmodelle und stellen interne Funktionsbereiche – wie natürlich auch die Finanzfunktion – vor große Herausforderungen. Vor allem die Automatisierung sowie Nutzung der neuen Technologien für bessere und tiefere Einblicke sind zentrale Elemente auf der Agenda des CFO.

85% der CEOs sagen, dass der größte strategische Beitrag des CFOs die Analyse von Daten zur Erzielung eines profitablen Wachstums ist

Die Digitalisierung verändert das Rollenbild und das Aufgabenspektrum von Finance, ermöglicht aber auch einen aktiveren Beitrag zum Unternehmenserfolg

Laut der KPMG Studie „Global CEO Outlook Survey“ sind 85 Prozent der CEOs der Auffassung, dass die Analyse von Daten zur Erzielung profitablen Wachstums der „größte strategische Beitrag“ ist, den ein CFO einem Unternehmen bieten kann. CEOs erwarten demzufolge von ihren CFOs zunehmend, dass sie Finanzdaten und Analysen zur Erschließung neuer Märkte, Produkte und Kanäle anwenden. Die verstärkte Abstimmung zwischen der Finanzplanung und der Unternehmensstrategie landet demnach unter den Top 5 Prioritäten eines CFO. Inhärent damit verändert sich auch der Fokus des CFO vom reinen Blick auf Bilanz und G&V hin zur End-to-End Betrachtung auf alle Bereiche der Wertschöpfungskette (zB auf Vertrieb, Produktion, Einkauf, Logistik…), erst dadurch kann eine aktive integrierte Unternehmenssteuerung gestützt durch die entsprechenden Finanzdaten erreicht werden. Ermöglicht wird dies zuletzt auch durch eine verstärkte Automatisierung von zeitraubenden, repetitiven Prozessen und dem damit einhergehenden Freischaufeln von Ressourcen für höherwertige Aufgaben, wie zB der Analyse und Interpretation der Ergebnisse sowie der proaktiven Ableitung von Handlungsempfehlungen für das Management.

Im CFO-Bereich stehen aktuell vor allem die End-to-End Prozessautomatisierung, die Nutzung von automatischem Forecasting sowie die systematische Datenverarbeitung im Fokus

Digitalisierung im Rechnungswesen

Intelligente Prozessautomatisierung anhand Beispiel Purchase-to-Pay: Dreiviertel aller Accounting-Mitarbeiter sind mit der Zuordnung, Bearbeitung und Verbuchung von Eingangsrechnungen beschäftigt. Zu dieser Schätzung kommen branchenunabhängige Benchmarks. Es ist davon auszugehen, dass ein Mitarbeiter zwischen 10.000 und 20.000 Eingangsrechnungen pro Jahr bearbeiten kann.

10x Mithilfe intelligenter Lösungen ist Produktivitätssteigerung in Kreditorenbuchhaltung um das Zehnfache möglich

Eine 10fache Produktivitätssteigerung ist mithilfe intelligenter Lösungen in der Kreditorenbuchhaltung möglich. Der Grund: Durch diese Lösung können über 90 Prozent aller Rechnungen „touchless“ bearbeitet werden. Da sich die intelligente Automatisierung mittels Machine Learning laufend selbstoptimiert und dazulernt, steigt konsequenterweise auch die „touchless“-Rate mit der Zeit kontinuierlich an.

Dieser Trend Richtung Vollautomatisierung von End-to-End Rechnungswesenprozessen geht natürlich über die komplette Finance-Wertschöpfungskette und verändert zum Beispiel auch den Order-to-Cash oder den Record-to-Report Prozess. Intelligente Automatisierung ermöglicht es den Finance Experten, sich auf die Dateninterpretation & -verwendung zu konzentrieren und die manuellen, repetitiven Tätigkeiten auf die Technologie zu verlagern.

 

Automatisches Forecasting anhand Beispiel Expected Credit Loss (IFRS9): Die neuen Möglichkeiten aber auch Herausforderungen führen vor allem im Controlling zu einem immensen Veränderungsdruck. Lag die Kernkompetenz des Controllings bisher in der Kontrolle, Koordination und Planung der Unternehmensziele und der zielgerichteten Versorgung der Unternehmensleitung mit entscheidungsrelevanten Informationen, so rücken anstelle von langfristiger Kontrolle und Planung, in Zukunft die Nutzung von prädiktiven Modellen für schnelle und flexible ad-hoc Prognosen sowie Szenario-Simulationen in den Vordergrund.

Beispielhaft werden diese vollautomatischen ad-hoc Analyse- & Forecast-Modelle sowie flexible Möglichkeiten zur Szenarien-Simulation auch im Bankensektor zur proaktiven Kapitalsteuerung eingesetzt. Unter anderem werden die Auswirkungen verschiedener Brexit-Szenarien (deal, no deal, neues Referendum) auf den Expected Credit Loss simuliert, um daraus entsprechende Maßnahmen ableiten zu können (zB Verlagerung Kapital in Sektoren mit geringerer ECL Sensitivität auf Brexit).

Die Anwendung von Predictive Analytics ist natürlich nicht nur auf den Bankensektor beschränkt, sondern wird in naher Zukunft eines der wichtigsten Instrumente und die „neue digitale Geheimwaffe“ für jeden CFO, insbesondere jedoch für jeden Controlling-Bereich werden. In Hinblick auf eine proaktive Steuerung bietet es die Chance, schon frühzeitig genauere Aussagen zu zukünftigen Markt- und Unternehmensentwicklungen zu treffen und daraus letztendlich proaktiv zielgerichtet die entsprechenden Handlungsfelder für den positiven Unternehmenserfolg abzuleiten.

 

Kognitive Dateninterpretation anhand Beispiel IFRS16 (neuer Leasing-Standard): Der vom IASB (International Accounting Standards Board) verabschiedete Rechnungslegungsstandard IFRS 16 Leases hat fundamentale Neuerungen und damit einhergehend enorme Herausforderungen für die Unternehmen zufolge. Vor allem müssen sämtliche Leasingverhältnisse und die damit verbundenen vertraglichen Rechte und Verpflichtungen des Leasingnehmers in dessen Bilanz erfasst werden. Demzufolge gilt es, alle Leasingverträge aus allen Unternehmensbereichen (zB IT, Liegenschaften oder Fuhrparkmanagement) sowie deren lokale Besonderheiten im Leasing (zB Landeswährung, Landessprache) zu konsolidieren und die notwendigen Eckparameter für die IFRS 16 Bilanzierung zu extrahieren.

Durch Nutzung von intelligenten Digitalisierungs- & Auslesetechnologien kann zum Einen eine effiziente und kostengünstige Extraktion der Leasingvertragsdaten sichergestellt werden und zum Anderen auch die zentrale digitalisierte Verfügbarkeit von sämtlichen Verträgen und deren Vertragsattribute für weitere Aktivitäten ermöglicht werden (zB Neu-/Nachverhandlung von Verträgen, Standardisierungsinitiativen in der Vertragsgestaltung).

Die Digitalisierung und kognitive Datenextraktion können natürlich nicht nur für IFRS 16 angewendet, sondern auf alle möglichen Verträge ausgeweitet werden. Die kognitive Datenextraktion wird in Zukunft eine zentrale Rolle für den Finanzbereich spielen (zB laufendes Monitoring von Einkaufs- & Dienstleistungsverträgen, automatische Verarbeitung von Zahlungskonditionen sowie Nutzung von individuellen Skonti-Vereinbarungen, Berücksichtigung spezifischer Vertragsvereinbarungen bei der bilanziellen Bewertung sowie bei der Risikobetrachtung aber auch zur Simulation möglicher Business Case Überlegungen bei Entscheidungen buy vs lease).

 

Abschließend ist festzuhalten, dass die Digitalisierung mittlerweile auch im CFO-Bereich Fuß gefasst hat und dabei vor allem Advanced Analytics und intelligente Automatisierung eine große Rolle spielen. Die Unternehmen gehen proaktiv voran und streben gezielt die Entwicklung der Finanzorganisation zu einem proaktiven Business Partner an. Final gilt es dabei eine zukunftsfähige Organisationsstruktur zu etablieren sowie die Mitarbeiter entsprechend frühzeitig mit einzubeziehen und deren Fähigkeiten proaktiv für das neue Rollenbild zu entwickeln.

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