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Dimensionen - Schwerpunkt Rechnungswesen der Zukunft - Faires Spiel

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Die KPMG Fachzeitschrift bietet Neuigkeiten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung.

Ungleiche Machtpositionen in Handelsbeziehungen verleiten manche Akteure zu einem Handeln, dass zwar rechtskonform, aber weit entfernt von „Fair Business" ist. Ein erster Lösungsansatz: Das Konzept des „unternehmerischen Wohlverhaltens“, Fairplay für den langfristigen Erfolg. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde reagiert mit einen Maßnahmenkatalog und einer Whistleblowing-Website.

Fairplay in Hinblick auf wirtschaftliches Handeln wird nicht allein durch Regeln bestimmt. Es stellt das respektvolle Miteinander trotz Wettbewerb in den Mittelpunkt. Der Wettbewerb und seine bestehenden Marktstrukturen sind oft geprägt von Vormachtstellungen einzelner Unternehmen. Diese Überlegenheit kann ein Marktverhalten verursachen, das die Schwächeren benachteiligt. Gesetzlich sind viele dieser Situationen nicht oder nur schwer greifbar. Einen ersten Lösungsansatz legt nun die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde vor.

David gegen Goliath

Ein Ungleichgewicht in Handelsbeziehungen kann enorme Folgen haben. Das zeigen zahlreiche Beispiele, die in den letzten Jahren an die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde gemeldet wurden: Ein kleiner regionaler Lieferant wird von seinen Abnehmern ignoriert, durch Einschüchterung werden Vorteile und Rabatte von schwächeren Marktteilnehmern erzwungen, vor den Geschäftsräumlichkeiten eines kleinen Anbieters werden dessen Kunden abgefangen, benachteiligende Vertragsbedingungen werden einseitig abgeändert, durch Verweigerung der schriftlichen Ausfertigung von Verträgen wird Rechtsunsicherheit herbeigeführt.

Manches ist im Wettbewerbsrecht geregelt. Betroffene Unternehmen können sich etwa auf die gesetzlichen Regelungen gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) stützen. Oftmals spielen sich diese Situationen aber in einer Grauzone ab, die vom Geltungsbereich bestehender Gesetze nicht erfasst wird. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung von Lieferanten-Abnehmerbeziehungen relevant. Hier herrscht zwischen den Geschäftspartnern in der Lieferkette regelmäßig ein Ungleichgewicht, da zumeist einer der Partner bei der Gestaltung von Konditionen eine überlegene Verhandlungsposition innehat.

Es ist oft schwer abzuschätzen, ob das rücksichtslose Verhalten eines Geschäftspartners schon eine konkrete Rechtsverletzung darstellt. Manches ist zwar rechtskonform, wird aber subjektiv nicht als „Fair Business“ empfunden. Für das sich in der schwächeren Verhandlungsposition befindliche Unternehmen ist es dadurch schwer, Maßnahmen zu ergreifen. Zudem möchten sich Unternehmen oft aus bestimmten Gründen nicht als betroffen zu erkennen geben. Ein Beispiel dafür ist etwa die Angst des Verlustes der Geschäftsbeziehung, von der das Unternehmen wirtschaftlich abhängig ist. Bezeichnend ist dieses Ungleichgewicht ua für die Lebensmittelbranche: Kleine Marktteilnehmer wie Landwirte sind oftmals besonders stark von ihren Partnern abhängig.

Fairnesskatalog und Whistleblowing

Die Meldungen zahlreicher Beispiele an die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) führten zu einem ersten Lösungsansatz. Im Oktober 2018 wurde von der BWB ein Fairnesskatalog für Unternehmen zum Thema „Unternehmerisches Wohlverhalten“ veröffentlicht. Als Ausgestaltung des Fairplay im Geschäftsalltag zielt der Begriff des „Unternehmerischen Wohlverhaltens“ auf die Einhaltung rechtlicher und faktischer Ordnungsrahmen in der Geschäftspraxis ab.

Der Leitfaden thematisiert die Beurteilung von unternehmerischem Verhalten und beinhaltet einen Katalog von möglichen Verstößen gegen das unternehmerische Wohlverhalten. Der Fokus liegt dabei auf der Lebensmittelbranche, behandelt werden aber auch andere Branchen. Als unfaire, wohlverhaltenswidrige Geschäftspraxis eines wirtschaftlich überlegenen Unternehmens gilt etwa: „Die Weigerung, Verträge über die wechselseitig zu erbringenden Leistungen sowie Vertragsbestandteile oder die Abänderung von Verträgen in Schriftform abzuschließen“.

Der Leitfaden behandelt auch die sogenannten Listungsgebühren. Das sind jene Gebühren, die ein Handelsunternehmen regelmäßig dafür verlangt, dass ein neues Produkt günstig im Regal angeordnet und präsentiert wird. Diese Praxis wird als wohlverhaltenswidrig eingestuft, es sei denn, dem Handelsunternehmen erwächst durch die Präsentation des neuen Produkts des Lieferanten tatsächlich ein erheblicher Aufwand. Zusätzlich zum Fairnesskatalog richtete die BWB auch eine Whistleblower-Webseite ein. Dort können Fälle von unfairem Verhalten in Geschäftsbeziehungen anonym gemeldet werden. 

Außerdem wird im Laufe des Jahres 2019 eine weisungsfreie Ombudsstelle für Fairness zwischen Bauern und Handel realisiert, welche anonyme Beratung, rechtliche Aufklärung, Informationsaustausch und Mediation anbieten wird.

Die Thematik der Ungleichheit von Geschäftspartnern stellt eine europaweite Problematik dar. Das zeigen verschiedene europäische Initiativen: Etwa die geplante EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Lebensmittelversorgungskette oder die Supply Chain-Initiative.

Selbstverpflichtung und Unternehmenskultur

Im Zusammenhang mit dem Konzept des unternehmerischen Wohlverhaltens stellt sich die Frage der Verbindlichkeit. Der Leitfaden der BWB ist nicht bindend. Eine Möglichkeit zur freiwilligen Bindung an faires Geschäftsverhalten ist die Selbstverpflichtung eines Unternehmens. Eine solche kann auf verschiedene Arten geschehen: Im Rahmen eines Verhaltenskodex oder als eigenes, allgemein zugängliches Dokument. Spezielle Bedeutung kommt hier der Unternehmenskultur „tone from the top“ zu. Denn: Vertragsschlüsse mit Geschäftspartnern finden zumeist auf höherer Managementebene statt. Daher müssen sich besonders diese zu fairem Verhalten verpflichten, um die Glaubwürdigkeit gegenüber Mitarbeitern und speziell auch Lieferanten bekräftigen zu können.

Aufbauend auf der Selbstverpflichtung ist die Unternehmenskultur daran auszurichten. Eine starke Unternehmenskultur kann durch die klare Definition und Kommunikation von Werten sowohl Mitarbeiter als auch die Öffentlichkeit an sich binden. Dies betrifft auch das Verhältnis zu Geschäftspartnern: Wenn ein Unternehmen eine gelebte und von den Mitarbeitern getragene Kultur vorweisen kann, kommuniziert dies eine Beständigkeit und Vertrauenswürdigkeit nach außen. Das bietet Sicherheit für Partner und Lieferanten. Hier schließt sich der Kreis zu Fairplay: Eine starke Unternehmenskultur resultiert oftmals in verlässlichem, fairem Verhalten gegenüber Geschäftspartnern und vice versa. Eine konsistente Unternehmensführung bezüglich der Lieferkette ist öffentlichkeitswirksam und führt zu Reputations- und Wettbewerbsvorteilen. Eine solche Führung resultiert zumeist aus einer starken Unternehmenskultur und wirkt sich wiederum positiv auf eben diese aus.

Das Bekenntnis zu Transparenz, Konsistenz und Wohlverhalten wird mit guten, langfristigen Beziehungen gleich doppelt belohnt: Sowohl nach innen, gegenüber den Mitarbeitern, als auch nach außen, gegenüber den Lieferanten und anderen Geschäftspartnern.

Auf den Punkt gebracht

Eine klare Darstellung und der Zugang für jedermann sind wesentlich für die erfolgreiche Implementierung eines Wertesystems und der Kultur im Unternehmen. So wird das vorgelebte Bekenntnis, also die Selbstverpflichtung zu Transparenz, Fairness und Wohlverhalten, nach innen und nach außen greifbar und konkret. Entscheidend dabei: Eine schriftliche Verankerung der Unternehmenskultur beispielsweise in einem Code of Conduct, in einer Wertetafel oder gar einer Wertekampagne.

Die Verbindlichkeit der Regeln wird für den einzelnen Mitarbeiter und, je nach Veröffentlichungsgrad, für potenzielle Geschäftspartner mittels der Verschriftlichung zusätzlich hervorgehoben. Dadurch wird transparent und nachvollziehbar kommuniziert, welchen Verhaltensstandard ein Unternehmen sich selbst auferlegt und was diesbezüglich auch von Geschäftspartnern erwartet wird.

Autoren

Katharina Schönauer