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Dimensionen - Schwerpunkt Rechnungswesen der Zukunf - Werkzeug der Zukunft

Werkzeug der Zukunft

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Dimensionen

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Die KPMG Fachzeitschrift bietet Neuigkeiten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung.

Die Digitalisierung verändert Wertschöpfungsstufen und Geschäftsmodelle. Sie stellt interne Funktionsbereiche vor große Herausforderungen, natürlich auch die Finanzfunktion. Automatisiert erstellte zukunftsgerichtete Prognosen, sogenannte Predictive Analytics, ermöglichen Unternehmen proaktiv auf Marktveränderungen zu reagieren und zukünftige Ereignisse schnell und genauer zu prognostizieren.

Die fortschreitende Digitalisierung bietet die Möglichkeit, einen echten Paradigmenwechsel in der Steuerung und Planung des Unternehmenserfolgs einzuleiten. Bereits heute sehen sich die Führungskräfte mit der VUCA-Welt konfrontiert. Das Akronym stammt aus der amerikanischen Militär-Terminologie und setzt sich aus den Begriffen Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity zusammen.

Mehrwert durch Daten

Getrieben durch die fortschreitende Digitalisierung und damit permanent steigende Datenmengen können Informationen rasch verarbeitet werden. Damit erhöht sich aber andererseits auch die Volatilität und damit die Komplexität der Entscheidungen. Die Dynamik des Geschäftsumfeldes führt zu einer verkürzten Entscheidungsfrequenz. Deshalb bedarf es aktueller Informationen in kürzeren Zyklen, die als vorlaufende Indikatoren für Finanzkennzahlen dienen. Daten sind das „Öl des 21. Jahrhunderts“ und wollen verarbeitet, gefördert und ausgewertet werden. An dieser Stelle setzen die Methoden von Predictive Analytics an: Sie unterstützen die Unternehmen dabei, aus ihren internen umfangreichen Daten aber auch der Beisetzung externer Markt- & Wettbewerbsdaten Mehrwerte zu generieren.

Steigende Erwartungen

Laut der KPMG Studie „Global CEO Outlook Survey“ sind 85 Prozent der CEOs der Auffassung, dass die Analyse von Daten zur Erzielung profitablen Wachstums der „größte strategische Beitrag“ ist, den ein CFO einem Unternehmen bieten kann. CEOs erwarten demzufolge von ihren CFOs, dass sie Finanzdaten und Analysen zur Erschließung neuer Märkte, Produkte und Kanäle anwenden. Die verstärkte Abstimmung zwischen der Finanzplanung und der Unternehmensstrategie landet demnach unter den Top 5-Prioritäten eines CFOs. Ebenso prioritär ist somit das Erfordernis eines unternehmensweiten Businessmodells und die Definition einer eigenen Analytics-Agenda. Inhärent damit verändert sich der Fokus des CFOs: Vom reinen Blick auf Bilanz und GuV hin zur End-to-End-Betrachtung aller Bereiche der Wertschöpfungskette (zB auf Vertrieb, Produktion, Einkauf, Logistik etc). Erst dadurch kann eine aktive integrierte Unternehmenssteuerung gestützt durch die entsprechenden Finanzdaten erreicht werden.

Die zentralen Fragen, die sich CFOs demnach stellen ­müssen, sind unter anderem folgende:

  • Wie kann man die Prognosegenauigkeit (Forecasting) für Nachfrage, Umsatz und Rentabilität verbessern?
  • Wie verändern sich Umsatz und Profit pro Produkt/Vertriebskanal bei geänderter Kostenallokation oder auch durch gezielte Optimierungen innerhalb der Wertschöpfungskette?
  • Wie wirken unsere strategischen Initiativen auf Top Line und Bottom Line?
  • Welche Preisgestaltungsstrategien sollten wir ­anwenden?
  • Welche Marktpotenziale soll man in Bezug auf das zukünftige Wachstum ins Auge fassen?

Proaktiver Zukunftsblick

Der zielgerichtete Einsatz von prädiktiven Modellen ermöglicht weitreichende Optimierungsmöglichkeiten in Hinblick auf die Unternehmenssteuerung. Bislang konnte keine eindeutige Definition von Predictive Analytics gefunden werden. In der Regel versteht man darunter den Einsatz von statistischen Methoden und Modellen, um aus internen sowie externen (unstrukturierten & strukturierten) Datenquellen nutzenstiftende Erkenntnisse abzuleiten. Auf deren Basis werden dann Wahrscheinlichkeiten zukünftiger Ergebnisse auf der Grundlage historischer Daten bestmöglich prognostiziert. Predictive Analytics ist zwar nicht unbedingt neu, doch hat der praktische Nutzen in den vergangenen Jahren durch die stetig wachsenden Datenmengen und die großen technologischen Fortschritte immens zugenommen. Allen voran in den Bereichen Machine Learning und Big Data: Als Beispiel sei hier das Predictive Forecasting oder die Erstellung von szenarienabhängigen Prognosen genannt.

Vor dem Hintergrund einer VUCA-geprägten Unternehmenslandschaft ermöglicht Predictive Analytics, frühzeitig Chancen und Gefahren zu erkennen. Daraus werden schließlich proaktiv und zielgerichtet die entsprechenden Handlungsmaßnahmen ermittelt.

Der Predictive Analytics-Ansatz bietet außerdem die Möglichkeit, synchrone Analysen und die Verarbeitung von unternehmensexternen (bspw Rohstoffpreise, Marktentwicklungen) sowie -internen Einflussgrößen (bspw Investitionen, Kapazitäten) durchzuführen. Die daraus gewonnene Erkenntnis in Hinblick auf Geschäftsdynamik und Geschäftsmodell kann zu einer verbesserten Entscheidungsfindung genutzt werden (Abbildung). In einer Ausbaustufe lassen sich automatisierte Forecasts „auf Knopfdruck“ erstellen.

Dimensionen - Integration interner und externer Daten

Im Rahmen der Integration von Predictive Analytics wird hierbei insbesondere dem Controlling-Bereich eine wichtige Rolle zuteil. Controller müssen bei neuen digitalen Geschäftsinitiativen über ihre traditionelle Rolle als zahlenorientierter Unternehmenssteuerer hinauswachsen und zunehmend neue Rollen übernehmen: Jene des Businesspartners mit tiefem Geschäftsverständnis und jene des Data Scientists mit ­Wissen über Datenstrukturen und -quellen des Unternehmens

Bereit für die Zukunft

Die neuen Herausforderungen setzen das Controlling unter einen immensen Veränderungsdruck. Die Kernkompetenz des Controllings lag bisher in der Kontrolle, Koordination und Planung der Unternehmensziele und der zielgerichteten Versorgung der Unternehmensleitung mit entscheidungsrelevanten Informationen. Nun rücken in Zukunft Szenario-Simulationen in den Vordergrund.

Der Einsatz von prädiktiven Analysen und Modellen beschränkt sich nicht bloß auf die klassischen Finanzprozesse der operativen und strategischen Planung. Sie werden va auch in der integrierten Simulation der Finanzprozesse mit den operativen Prozessen innerhalb der Wertschöpfungskette angewendet (zB Mengendaten aus der Produktion, Rohstoffbedarf im Einkauf, HR Daten über aktuelle Mitarbeiterentwicklungen sowie externe Marktdaten, die den Absatz beeinflussen).

Die Nutzung dieser Modelle bildet das Herzstück für die NexGen Unternehmenssteuerung. Sie ermöglicht die vollumfängliche End-to-End-integrierte Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette sowie eine agile, proaktive Reaktionsmöglichkeit auf Marktveränderungen. Für die erfolgreiche Umsetzung einer integrierten Unternehmenssteuerung sind aus KPMG Sicht drei „kritische Enabler“ zu berücksichtigen:

  1. Integrierte Datensicht und ­Governance: Mit der Etablierung der Governance und dem Aufbau einer integrierten Datenbasis sind diverse Herausforderungen verbunden. Es müssen einerseits die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden. Das heißt: Es müssen klare Verantwortlichkeiten und eine Stelle im Unternehmen als Lead etabliert werden. Bezogen auf die Datensicht sollte eine „one source of data truth“ etabliert werden. Ferner bedarf es einer Verzahnung der strategischen Planung sowie der operativen KPIs als auch einer (Daten-)Integration aus Marktperspektive.
  2. Identifikation der Key ­Business-Treiber: Mittels der prädiktiven Modelle können die wesentlichen Business-Treiber sowie deren Ursache-Wirkungsbeziehungen inkl der entsprechenden Sensitivitäten ermittelt werden.
  3. Analysebasierter Steuerungskreislauf: Darauf basierend werden Szenarien und Simulationen entwickelt, die als eine Art „Frühwarnsystem“ Entwicklungen aufzeigen und somit die Management-Entscheidungen unterstützen. Die Ergebnisse von abgeleiteten Maßnahmen fließen wiederum in die Modelle ein, um diese über die Zeit zu optimieren und die Treffsicherheit der Ergebnisse zu erhöhen.

Vorausschauend zum Erfolg

Eines ist bei der Betrachtung von NexGen Analytics Fakt: Zwar sind die technologischen Entwicklungen ein klarer Enabler für die neue Unternehmenssteuerung, jedoch ist nicht das IT-Tool am Ende der entscheidende Erfolgsfaktor. Entscheidend ist die fachliche, intelligente Entwicklung des zentralen Business-Treibermodells und dessen saubere Abbildung der spezifischen Sensitivitäten zwischen den einzelnen Treibern.

Predictive Analytics ist derzeit eines der wichtigsten Instrumente und die „neue digitale Geheimwaffe“ für den CFO und den Controlling-Bereich. Sie ermöglicht einen echten Paradigmenwechsel in der Unternehmenssteuerung. In Hinblick auf eine proaktive Steuerung bietet es die Chance, schon frühzeitig genauere Aussagen zu zukünftigen Markt- und Unternehmensentwicklungen zu machen. Daraus können letztendlich die entsprechenden Handlungsfelder für den positiven Unternehmenserfolg abgeleitet werden.

Autoren

Eberhard Bayerl

Wolfgang Lindner

Armin Karovic

Den KPMG Global CEO Outlook Survey können Sie unter publikationen@kpmg.at anfordern.

KPMG Global CEO Outlook Survey