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Dimensionen - Schwerpunkt Rechnungswesen der Zukunf - Im Aufwind

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Die KPMG Fachzeitschrift bietet Neuigkeiten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung.

Technologische Überlegungen stellen mittlerweile wesentliche Treiber von Veränderungen der Finanzfunktionen dar. Der potenzielle Nutzen ist fast einstimmig erkannt und es werden erste Schritte unternommen, einen Vorteil aus den neuen Möglichkeiten auch für den Finanzbereich zu erzielen.

Die Skepsis gegenüber neuen Technologien und ihren Auswirkungen geht im Finanzbereich deutlich zurück. Das zeigen aktuelle KPMG Studien zur Digitalisierung im Rechnungswesen. Im Umkehrschluss beschäftigen sich CFOs und leitende Angestellte der Finanzfunktionen proaktiv mit neuen Technologien. Digitale Pioniere haben bereits mehrere Technologietrends umgesetzt und flächendeckend im Einsatz. Es lassen sich zahlreiche Trends und Entwicklungen in Bezug auf Digitalisierung im Finanzbereich orten. Grundlage für die Analyse dieses Artikels sind die KPMG Studien „Digitalisierung im Rechnungswesen 2018“, „Digitalisierung im Rechnungswesen 2017“ sowie „Finance 2025“.

Neue Technologien auf der ­Überholspur

Nach ersten Erfahrungen und Erkenntnissen im Umgang mit neuen Technologien zeigt sich nun: Derzeit werden Projekte priorisiert, welche die Voraussetzungen für weitere Digitalisierungsschritte schaffen und sicherstellen sollen. So gewinnen altbekannte Themen wie Homogenisierung der Systemlandschaft, Schaffung einer einheitlichen Datenbasis und Standardisierung von Prozessen in den Unternehmen wieder an Bedeutung. Folgendes Beispiel unterstreicht diesen Trend: Mit zunehmend erkanntem Potenzial von Software Bots für den Einsatz zur Prozessautomatisierung steigt auch das investierte Budget in Projekte zur Standardisierung von Prozessabläufen.

Bereits länger bekannte Themen wie Big Data-Analysetools, Self-Service-­Reporting und In-Memory-Datenbanken (zB SAP Hana) gewinnen stetig mehr Beachtung und kommen zur Anwendung. Doch auch jüngere Entwicklungen und technologische Möglichkeiten haben bereits in einigen Unternehmen Fuß gefasst. Fünf Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits flächendeckend regelbasierte Systeme (zB Robotic Process Automation) und Virtual Reality-Tools zur Visualisierung von Kennzahlen. Sowohl die beiden genannten Technologien als auch lernende Systeme (Machine Learning) sind bei über 35 Prozent der befragten Unternehmen bereits umgesetzt oder werden zumindest diskutiert.

Neue Rollenbilder und ­Verantwortungen

Die Mehrheit der Unternehmen sieht bei der Frage nach Verantwortung für Ideen in Bezug auf Digitalisierungsprojekte sowie deren Umsetzung die Fachabteilungen Accounting und Controlling in der Pflicht. Ebenso will der Großteil zuerst die eigene IT-Abteilung mit der Ideenfindung sowie der konkreten Umsetzung von Digitalisierungsprojekten beauftragen. Erst in einem zweiten Schritt wollen sie externe Berater in Betracht ziehen. Im Zuge dessen zeigt sich auch, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von bereichsübergreifender Zusammenarbeit steigt und mehr und mehr als Schlüsselelement einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie gesehen wird.

Beinahe einstimmig haben Unternehmen die zukünftige Bedeutung neuer Rollenbilder wie Finance Data Scientists (Spezialist für finanzanalytische Auswertungen) und Finance Quality Manager (Prozessgestalter/Umsetzer von Qualitätsanforderungen) erkannt. Als direkte Konsequenz entwickeln sich auch die Anforderungsprofile für Mitarbeiter im Finanzbereich weiter. So sieht der Großteil der Befragten die Notwendigkeit für Prozessverständnis, Affinität zu IT-Systemen und Know-how in Bezug auf Datenanalysen, um innerhalb der kommenden fünf Jahre zu entwickeln oder zuzukaufen. Hier zeigt sich: Die Mehrheit der Unternehmen investiert zwar in neue Mitarbeiter, noch mehr allerdings wird bereits konkret auf die Weiterbildung bestehender Mitarbeiter gesetzt. Neben den fachlichen Qualifikationen werden auch die persönlichen Eigenschaften Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Flexibilität und Umsetzungsstärke als wesentliche Merkmale genannt, die bei den Mitarbeitern der Zukunft gesucht werden.

Analysen zeigen: Sowohl große (>1.000 Mitarbeiter) als auch kleine (<1.000 Mitarbeiter) Unternehmen setzen sich intensiv mit den neuen Technologietrends wie Big Data-Analysetools und Self-Service-Reporting auseinander. Der Anteil an großen Unternehmen, die bestimmte Technologien zumindest in Pilotprojekten im Einsatz haben, ist allgemein höher. Allerdings nutzen auch kleine Unternehmen ihren Agilitätsvorteil und haben bereits zu einem höheren Anteil neue technologiebasierte Lösungen flächendeckend im Einsatz.

Stimmungstrend: Proaktive Offenheit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Trotz vereinzelter Unsicherheiten beim Thema Digitalisierung herrscht eine positive Grundstimmung und Offenheit in Bezug auf die zu erwartenden Entwicklungen. CFOs setzen sich im Hinblick auf eine Finanzvision 2025 aktiv mit der Digitalisierung auseinander und sind sich der Veränderung des Umfelds bewusst. Dabei gehen sie initiativ voran und streben gezielt die Entwicklung der Finanzorganisation zu einem proaktiven Business Partner an. Zudem hat sich das Bewusstsein manifestiert, dass eine umfassende Entwicklung des Finanzbereichs einen wesentlichen Aspekt in diesem Prozess darstellt. Auch die Einbeziehung der Mitarbeiter, deren Entwicklung und die ihrer Fähigkeiten sowie eine zukunftsfähige Organisationsstruktur finden zunehmend mehr Beachtung. Die Unternehmen blicken gespannt in die Zukunft und versuchen, die sich bietenden Möglichkeiten positiv zu nutzen.

Autoren

Eberhard Bayerl

Lukas Ifsits

Die KPMG Studien „Digitalisierung im Rechnungswesen 2018“, „Digitalisierung im Rechnungswesen 2017“ sowie „Finance 2025“ können unter publikationen@kpmg.at angefordert werden.

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