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SRB veröffentlicht Grundsatzerklärung zu MREL

Financial Services News

Das Single Resolution Board (SRB) hat zusammen mit den für die Abwicklung zuständigen, nationalen Behörden (NRAs) sein Grundsatzprogramm 2018 zu "minimum requirement for own funds and eligible liabilities (MREL)" veröffentlicht. Dies dient als Basis für die Festlegung von verpflichtenden, konsolidierten MREL-Quoten für Institute, die in den ersten Abwicklungsplanzyklus fallen.

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MREL stellt eines der wichtigsten Instrumente zur Steigerung der Abwicklungsfähigkeit von Banken dar. In diesem Jahr hat das SRB den Zyklus für die Abwicklungsplanung in zwei Phasen aufgeteilt. Die erste Phase, welche im Jänner 2018 startete, richtete sich an jene Banken, für die noch keine verpflichtenden Quoten festgelegt wurden (Institute ohne Präsenz außerhalb der Bankenunion). Die am 20.11.2018 veröffentlichte Grundsatzerklärung des SRB dient als Referenz für die Entscheidungen des SRB hinsichtlich der MREL-Quoten für diese Institute.

Anpassungen einzelner MREL-Komponenten

MREL besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten,

(i) dem Verlustabsorptionsbetrag (LAA) und

(ii) dem Rekapitalisierungsbetrag (RCA), ergänzt durch den Aufschlag zur Aufrechterhaltung des Marktvertrauens (MCC).

Das SRB nimmt folgende Anpassungen an der Methodologie vor:

  • Während die Leverage Ratio, bis sie rechtlich bindend ist, nicht als Referenzgröße für MREL berücksichtigt wird, wurde nun die per 31.12.2017 ausgelaufene Mindestkapitalanforderung (Basel-I-Floor) auch aus der MREL-Berechnung herausgenommen.
  • Die MREL-Anforderung wird auf Daten basieren, die im Zuge der Abwicklungs- und Sanierungsplanung durch das Institut im Vorjahr gemeldet wurden. 
  • Es wird keine Änderungen am LAA geben, welcher sich nach wie vor aus der Summe der Säule 1 und Säule 2 Anforderungen des Instituts sowie der kombinierten Pufferanforderung (fully loaded) zusammensetzt.
  • Für den RCA werden bankspezifische Anpassungen berücksichtigt, während der MCC unverändert bleibt. Bankengruppen, für die eine Liquidation die präferierte Abwicklungsstrategie ist, haben keinen RCA und somit auch keinen MCC. MREL basiert hier ausschließlich auf den LAA. 
  • Bankspezifische Anpassungen hinsichtlich RCA und MCC werden in Erwägung gezogen.
  • Anpassungen der risikogewichteten Aktiva (RWA) können einzelnen Banken zugestanden werden, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass diese hinreichend gerechtfertigt sind. 
  • Die Basis von 8% der gesamten Passivseite (Verbindlichkeiten und Eigenmittel) als Voraussetzung für den Zugang zum Europäischen Abwicklungsfonds (SRF) bleibt unverändert. Abweichungen von diesem Wert werden für das jeweilige Institut individuell analysiert. Darüber hinaus sind keine Anpassungen – beispielsweise in Hinblick auf Verbindlichkeiten, die gem. Art. 44(2) BRRD verpflichtend vom Bail-in ausgeschlossen sind – vorgesehen. 

Besonderheiten hinsichtlich Multiple Points of Entry (MPE) Strategien

  • Die Festlegung der MREL-Quote sollte konsistent sein mit der Risikoverteilung innerhalb der Bankengruppe. Die MREL-Anforderung sollte jenen Gesellschaften zugeordnet werden, in denen Verluste am wahrscheinlichsten auftreten werden. 
  • Die Zuordnung einer MREL-Quote für Bankengruppen, auf die eine MPE-Strategie angewandt wird, zielt auf eine Minimierung des Ansteckungsrisikos ab. Laut SRB ist es dafür notwendig, dass eine glaubwürdige und plausible MPE-Strategie umgesetzt werden kann, ohne die Funktions- und Abwicklungsfähigkeit von anderen Resolution Groups zu untergraben. 
  • Die MREL-Policy des SRB definiert die Anforderungen an eine konsolidierte MREL-Quote auf Ebene der Resolution Entity innerhalb einer MPE-Gruppe. 

Kalibrierung für Transferstrategien

Das SRB wird in Zukunft seine Policy zur MREL-Quote für Transferstrategien präzisieren. Transferstrategien sind Abwicklungsstrategien, die sich nicht auf eine Gläubigerbeteiligung (Bail-in) stützen, sondern auf die Umsetzung der Abwicklungsinstrumente Unternehmensveräußerung, Brückeninstitut und Ausgliederung von Vermögenswerten abzielen.

  • Um Transferstrategien anwenden zu können, müssen Banken hohe Anforderungen hinsichtlich Separierbarkeit und Datenverfügbargeit erfüllen. Zudem ist eine Marktanalyse durchzuführen.
  • Der LAA bleibt unverändert und ist konsistent mit der Anforderung bei Durchführung eines Bail-in.
  • Der RCA wird nach unten korrigiert, um so die Vermögensübertragung zu berücksichtigen.

Qualitätsanforderungen, Subordination und Anrechenbarkeitskriterien

Die Nachrangigkeit von Verbindlichkeiten (Subordination) wird als Instrument verstanden, das zur Verbesserung der Abwicklungsfähigkeit dient, indem es die Durchführung eines Bail-in plausibel und glaubhaft macht. Institute, die Teil des ersten Abwicklungsplanzyklus waren und als „Other Systemically Important Institutions“ (O-SIIs) eingestuft sind, werden eine Mindestanforderung an nachrangigen Finanzinstrumenten in Höhe von 12% der RWA plus der kombinierten Pufferanforderung erfüllen müssen. Wenn Verbindlichkeiten, die gem. Art. 44(2) BRRD verpflichtend vom Bail-in ausgeschlossen sind, die Grenze von 10% in der jeweiligen Verbindlichkeitenklasse übersteigen, ist die Durchführung einer Bewertung hinsichtlich einer möglichen Verletzung des „no creditor worse off“-Prinzips (NCWO) verpflichtend. Im nächsten Abwicklungsplanzyklus wird das SRB die Themen Nachrangigkeit und NCWO weiterentwickeln.

Zudem beinhaltet die Policy folgende Punkte hinsichtlich Anrechenbarkeit:

  • Ungedeckte, „non-preferred“ Einlagen (die innerhalb eines Jahres behoben werden können) und strukturierte Schuldverschreibungen werden größtenteils ausgenommen. Das SRB wird jedoch unter gewissen Umständen fallweise die Anrechenbarkeit solcher Verbindlichkeiten prüfen.
  • Verbindlichkeiten von Privatanlegern sind grundsätzlich – unter Berücksichtigung der Gläubigerhierarchie – anrechenbar.
  • Im Rahmen der Beurteilung der Abwicklungsfähigkeit eines Instituts prüft das SRB, inwieweit ein Bail-in von Anleihen, die von Retailkunden gehalten werden, ein Hindernis darstellen.
  • Verbindlichkeiten, die nach der Rechtsordnung eines Drittlandes oder durch Institute außerhalb der EU emittiert wurden, sind größtenteils ausgenommen. 

Auswirkungen des Brexit

Die Erwartungshaltung des SRB ist es, dass Banken sich proaktiv auf die möglichen Folgen des Brexit auf den Bestand von MREL-anrechenbaren Instrumenten vorbereiten. In der Zwischenzeit sollen Institute bei Neuausgabe solcher Finanzinstrumente die Bail-in-Fähigkeit über explizite, vertragliche Klauseln sicherzustellen. Zudem sollen Institute in Betracht ziehen, MREL-anrechenbare Finanzinstrumente lediglich nach weiterhin geltendem EU-Recht eines der verbleibenden 27 EU-Staaten zu emittieren.

Bankspezifische Übergangsphasen

Das SRB wird weiterhin institutsspezifische Übergangsphasen (max. vier Jahre) für die Implementierung der verpflichtenden MREL-Quote festlegen. Bei der Beurteilung der Dauer dieser individuellen Übergangsphasen berücksichtigt das SRB bank- und marktspezifische Kriterien. Für Banken, die ihre MREL-Quote bereits erfüllen, wird grundsätzlich keine Übergangsphase festgelegt. Wird eine Übergangsphase von mehr als zwei Jahren vereinbart, legt das SRB zusätzlich Zwischenziele fest. Diese haben jedoch nicht den gleichen verpflichtenden Charakter wie das am Ende der Übergangsphase zu erreichende Target-Level.

Ausblick

Mit der SRB Policy 2018 wird der MREL-Ansatz von 2017 aktualisiert und durch neue Elemente erweitert. Entscheidungen in Zusammenhang mit MREL werden vom SRB jährlich überprüft und es findet fortlaufend eine Überarbeitung der MREL-Quoten und Übergangsphasen statt. Im Rahmen der Weiterentwicklung der MREL-Policy wird das SRB den Fokus insbesondere auf die Nachrangigkeit, die Anrechenbarkeit von Finanzinstrumenten sowie auf individuelle MREL-Quoten legen.

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