Weshalb der Aufbau eines Netzwerks und der Austausch mit Frauen wichtig ist und welche Vorteile das im Arbeitsalltag bringt, darüber sprechen Anna Rieckh, Sophie Leidenberger und Melanie Deppe von WOW@KPMG.

Der Name ist Programm: WOW steht für World of Women und ist eine freiwillige Initiative von Mitarbeiterinnen für Mitarbeiterinnen. Das Ziel ist die Vernetzung aller Frauen innerhalb von KPMG Österreich – unabhängig vom Karrierelevel oder der jeweiligen Function. Vor mehr als zwei Jahren wurde WOW@KPMG ins Leben gerufen und seither sukzessive weiterentwickelt.

„Erst wenn wir uns mit Kolleginnen aus anderen Bereichen austauschen, merken wir, wie vielfältig KPMG ist.“

Anna Rieckh

WOW@KPMG - Anna Rieckh

Bei KPMG gibt es mit KNOW und dem Business-Mentoring-Programm bereits Initiativen zur Förderung von Frauen. Was zeichnet WOW aus?

Anna: Mit WOW wollen wir ein generelles Angebot für Frauen bei KPMG anbieten, unabhängig von Karrierelevel, Function oder Fachlichkeit. Wenn zB junge oder neue Kolleginnen Unterstützung benötigen, möchten wir ihnen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen geben. KNOW ist erst ab einem bestimmten Karrierelevel für ­Kolleginnen aus dem Fachbereich zugänglich, während WOW Frauen aus allen Bereichen und ganz unabhängig von ihrer Karrierestufe anspricht. Die beiden Netzwerke schließen sich jedoch gegenseitig nicht aus, sondern ergänzen sich sehr gut.

Sophie: Bei den monatlichen Talks über MS Teams gibt es freie Themenwahl für die jeweiligen Vortragenden. Die Themen variieren vom eigenen Karriereweg, eigenen Erfahrungen und Tipps bis hin zu Themen wie bspw geschlechtergerechte Sprache. Auch die Gestaltung ist der Vortragenden selbst überlassen, wobei sie natürlich immer durch das WOW-Organisationsteam unterstützt wird. Meist gibt die Vortragende selbst die ersten 30 Minuten einen Themeninput. Anschließend können sich alle, die möchten, zu Wort melden. Im Fokus stehen die Erfahrungen und Fragen der teilnehmenden Kolleginnen. Nur durch diese ­Themenfreiheit und dem daraus resultierenden Gespräch sowie Austausch kommt es zu jener Vielfalt an Themen, die auch die Vielfältigkeit von KPMG widerspiegelt.

Melanie: Wer die Bühne will, kann sie ergreifen. Auch wenn der Austausch virtuell über MS Teams stattfindet, nehmen doch meistens über 60 Kolleginnen teil und es fühlt sich jedes Mal familiär an. Wir reden ganz offen über unsere täglichen Herausforderungen, Gedanken, Erfahrungen und Ideen, ohne direkt einer Rolle oder Erwartungen zu entsprechen, die sonst an unsere berufliche Rolle geknüpft sind. 

„Es tut gut, durch WOW aus der eigenen Blase herauszukommen und andere Perspektiven und Arbeitsweisen kennenzulernen.“

Melanie Deppe

WOW@KPMG - Melanie Deppe

Gibt es einen WOW-Moment, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Sophie: Ich selbst lerne bei jedem Talk etwas Neues dazu und ich schätze den offenen Austausch der Teilnehmerinnen sehr. Den anderen Teilnehmerinnen scheint es genauso zu gehen, denn wir erhalten nach jedem Talk sehr viel positives Feedback. Das freut mich sehr. Zudem ist es toll zu sehen, wie die Community wächst und wie viele sich in den Talks einbringen und das, obwohl die Uhrzeit mit 8:00 Uhr Früh für Morgenmuffel nicht optimal ist.

Melanie: Für uns als Organisationsteam war es großartig, als wir Unterstützung bei der Veröffentlichung im Intranet bekommen haben und einen Newsletter verschicken konnten. Es war ein unglaublich gutes Gefühl, als wir gemerkt haben, dass es von den Kolleginnen angenommen wird und das WOW-Netzwerk wächst. Sichtbarkeit ist für uns hier ein großes Thema.

Anna: Einer meiner WOW-Momente war der Beginn der Planungsphase von WOW. Obwohl wir nur eine kleine Gruppe waren, war es schön zu sehen, mit wie viel Energie und Motivation wir etwas bewegen und auf die Beine stellen wollten. Das Thema und der Austausch zwischen Kolleginnen war uns allen ein Anliegen. Ein weiterer Moment, an den ich gerne zurückdenke, war der Talk mit meiner Kollegin Julia Schöls. Ich organisierte diesen Termin und fand es schön, wie viel positives Feedback wir danach erhalten haben. Die teilnehmenden Kolleginnen fanden es spannend, was Julia aus ihrem Joballtag in der Beratung berichtet, wie sie Abstand gewinnt und Grenzen setzt. Mittlerweile fragen mich immer wieder Kolleginnen nach den nächsten WOW-Terminen – ein gutes Zeichen.

WOW@KPMG - Sophie Leidenberger

„Es ist schön zu sehen, dass wir durch WOW einen Raum für Frauen schaffen, in dem wir uns gegenseitig unterstützen, wichtige Themen adressieren und uns weiterentwickeln können.“

Sophie Leidenberger

Weshalb ist euch der Austausch mit Kolleginnen anderer Functions wichtig?

Anna: Erst wenn wir uns mit Kolleginnen aus anderen Bereichen austauschen, merken wir, wie groß KPMG ist und wie vielfältig die Tätigkeiten sind. Allein innerhalb einer einzelnen Function ist das schon viel. Diese Erkenntnis wirkt sich natürlich auch auf die fachliche Arbeit aus – neue Möglichkeiten tun sich auf und ich weiß wen ich zu bestimmten Themen um Unterstützung bitten kann.

Sophie: Gerade die jüngeren Kolleginnen können viel von den Erfahrungen der Kolleginnen aus höheren Leveln lernen. Zudem hat jede Teilnehmerin eine andere Persönlichkeit, einen anderen Erfahrungsschatz und andere Sichtweisen. Deshalb ist der Austausch so wichtig, um auch über den eigenen Tellerrand blicken und sich weiterentwickeln zu können. Kolleginnen, die gerade mit Herausforderungen kämpfen hilft es auch zu sehen, dass es anderen Kolleginnen genauso geht. Hier hilft der Austausch dabei, sich gemeinsam diesen Herausforderungen zu stellen.

Melanie: Gerade durch Homeoffice vergisst man oft, wie viele Kolleginnen und Kollegen bei KPMG tätig sind. Es tut gut durch WOW aus der eigenen Blase herauszukommen, andere Perspektiven einzunehmen und andere Berufe und Arbeitsweisen kennenzulernen. Diese Vielfalt an Persönlichkeiten ist unglaublich bereichernd. 

Welche Themen beschäftigen euch in eurem Arbeitsalltag, die ihr auch in den WOW-Talks ansprecht?

Anna: Die eigenen Grenzen wahren, Zeitmanagement, gendergerechte Sprache – zu diesen Punkten konnte ich schon viel bei unseren Terminen lernen. Der Austausch dazu ist vor allem auch für Berufseinsteigerinnen wichtig. Wenn wir über Schwächen und Herausforderungen sprechen, nehmen wir damit den Druck bei den Jüngeren raus. Bei unseren Diskussionsrunden kommen auch Partnerinnen und Senior Managerinnen zu Wort, die von ihren Herausforderungen berichten.

Melanie: Meist bin ich die einzige Frau in meinem beruflichen Umfeld beim Kunden, deshalb war es für mich spannend, wie sich andere verhalten, wenn sie die einzige Frau in einem Termin oder Projekt sind. Mir haben die WOW-Talks geholfen, effektiver in meiner Projektarbeit zu werden und mehr Raum einzunehmen – zB mit meiner Körpersprache. Und dadurch fiel mir vieles einfach leichter, ein Erfahrungsschatz, den ich jetzt auch weiter an meine Kolleginnen gebe. Ein anderes spannendes Thema eines Vortrags war einmal:  Wie können die Stärken beider Geschlechter am besten verbunden werden? Wie kann ich die Stärken von Männern und Frauen effektiv kombinieren, sodass die Projektarbeit im Ganzen davon profitiert – superspannend und bereichernd!

Sophie: Wichtige Themen, die mich beschäftigen sind das Zeitmanagement, die Work-Life-Balance, wie kann ich mich bei KPMG weiterentwickeln und wie stärke ich mein Selbstbewusstsein. Das sind alles Themen, die wir in Talks bereits adressiert haben und der Austausch mit den und die Erfahrungen der anderen Kolleginnen haben mir hier sehr geholfen.

Gibt es eine Powerfrau aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur, die euch besonders inspiriert?

Melanie: Ganz klar eine Dozentin im Bereich „Gender & Cultural Studies“, welche ich während meines Studiums in den USA kennenlernen durfte. Sie war auf der ganzen Welt unterwegs, hat auf allen Kontinenten mit Führungsteams gearbeitet. Einmal hat sie gesagt: „Ich möchte an dem Tisch sitzen, an dem Entscheidungen getroffen werden. Und wenn es diesen Tisch nicht gibt, dann baue ich ihn mir mit vielen Stühlen dabei.“ Das fand ich sehr inspirierend und es begleitet mich noch heute.

Anna: Bei mir ist es meine Masterarbeit-Betreuerin vom Institut für Gender und Diversität in Organisationen der WU Wien, die den Fokus ihrer Forschung stark auf die Etablierung der Frauenquote setzte und der Inklusion von Menschen mit Behinderung ein Anliegen war. Durch sie ist mir das Thema Diversität in allen Facetten bewusst und das Thema Chancengleichheit noch wichtiger geworden.

Sophie: Die eine Powerfrau, die mich inspiriert hat, habe ich nicht. Mich inspirieren viele Frauen, sei es aus meinem persönlichen oder beruflichen Umfeld oder auch auf Social Media, die sich für andere Frauen einsetzen, diese unterstützen und auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen.