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Nadja Eberle ist Managerin im Audit und hat ihre Karriere 2013 als Praktikantin bei KPMG begonnen. Mittlerweile verantwortet sie die Prüfung eines börsennotierten Unternehmens und hat uns erzählt, was sie an ihrem Job begeistert und wie ein üblicher Arbeitsalltag in der Wirtschaftsprüfung aussieht.

  

Nadja, worum geht es in deinem Job?

Wir beschäftigen uns im Rahmen einer Prüfung mit dem Geschäftsmodell und Branchenumfeld unseres Kunden, sehen uns beispielsweise an, wie die Geschäftsentwicklung im Vergleich zum Vorjahr war, welche Investitionen getätigt und welche Projekte umgesetzt wurden. Wir leiten aus unserem Verständnis ab, wo Risiken für Fehldarstellungen in den Zahlen liegen könnten. Am Ende können wir alle geschäftlichen Tätigkeiten des Unternehmens anhand der Zahlen im Jahresabschluss lesen. Wir müssen letztlich bestätigen können, dass der Abschluss frei von wesentlichen Fehldarstellungen ist. Solch eine Verantwortung zu bekommen, ist fordernd, aber auch fördernd. 

Den typischen Tag gibt es bei uns nicht, weil der Beruf so vielfältig und dynamisch ist, dass ich jeden Tag mit etwas Neuem konfrontiert werde.

Nadja Eberle

Nadja Eberle - Audit

Wie sieht ein typischer Tag in der Wirtschaftsprüfung aus?

Den typischen Tag gibt es bei uns nicht, weil der Beruf so vielfältig und dynamisch ist, dass ich jeden Tag mit etwas Neuem konfrontiert werde. Es hängt meistens davon ab, ob wir uns in der Prüfsaison befinden oder andere Projekte auf der Agenda stehen. Im Herbst, vor dem Bilanzstichtag, findet beispielsweise bei Großkunden die sogenannte Vorprüfung statt, hier geht es um vorbereitende Tätigkeiten. Von Jänner bis März prüfen wir den Jahresabschluss unserer Großkunden und ca ab April die kleineren Kunden. Und dann sind wir auch schon im Juni, wo wir Fortbildungen besuchen, uns beruflich weiterbilden oder einen verlängerten Urlaub im Sommer genießen. Ab Oktober starten wir wieder mit vorbereitenden Prüfungshandlungen.

Ein typischer Tag in der Prüfungssaison (wenn nicht gerade eine Pandemie den Arbeitsalltag bestimmt) findet vor Ort beim Kunden im sogenannten Prüferzimmer statt. Bei unseren Kunden bekommen wir immer ein eigenes Büro, bauen dort unsere Laptops auf. Das bringt den Vorteil, dass wir sehr schnell Rückmeldungen zu etwaigen Fragen bekommen und uns austauschen können. Derzeit treffe ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen in virtuellen Prüferzimmern, in denen wir als Projektteams zusammenarbeiten und uns rasch zu offenen Fragen abstimmen können. Ähnlich ist es auch beim Kunden – das Hinübergehen fällt derzeit zwar aus, aber wir sind über virtuelle Meetings ständig in Kontakt.

Wie viele Prüfungen hat man im Jahr und wie lange dauert so eine Prüfung?

Das ist abhängig von der Branche und Größe des Unternehmens. Ich betreue zwei große Kunden und acht kleinere. In der Regel dauert die Prüfung eines größeren Unternehmens rund zwei Monate und bei kleineren kann man mit ein bis vier Wochen rechnen. Von Oktober bis März sind wir daher sehr intensiv mit den Prüfungen beschäftigt und die Monate danach betreuen wir kleinere Projekte. Zusätzlich sind wir ca vier Wochen im Jahr auf Schulungen, um fachlich auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.

Wie bist du zur Wirtschaftsprüfung gekommen?

Ich habe Betriebswirtschaft an der WU Wien studiert und im Anschluss bei KPMG im Advisory angefangen. Nachdem ich meinen Master in Finanzwirtschaft und Rechnungswesen begonnen hatte, habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich mich noch intensiver mit allen Themen rund um die Finanzberichterstattung beschäftigen möchte, sodass ich ins Audit gewechselt bin. Um als Wirtschaftsprüferin zu arbeiten, bedarf es aber auch einer anspruchsvollen Berufsberechtigungsprüfung. 2019 habe ich die Berufsbefugnis zur Wirtschaftsprüferin erlangt.

Was fasziniert dich an deinem Job?

Was mich ab dem ersten Moment beeindruckt hat, ist das menschliche Umfeld: Es gibt Wochen, wo wir bis zu 60 Stunden arbeiten, vor Ort beim Kunden, manchmal in anderen Städten. In der intensiven Prüfsaison verbringt man sehr viel Zeit miteinander, knüpft langjährige Freundschaften und hat immer das Gefühl, ein starkes Team um sich zu haben. Zum anderen schätze ich die Perspektiven, die mir dieser Job bietet: Karrieremöglichkeiten, Training on the Job und vielfältige Projekte.

Zum Abschluss: Welche Eigenschaften sind im Bereich Audit von Vorteil?

Eine gute Dosis an Neugierde, Freude am Kontakt mit dem Kunden und den unterschiedlichen Projektteams, Flexibilität, Zielstrebigkeit und analytische Fähigkeiten sind sehr hilfreich.